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Wien, Linz, Salzburg

Nach einem Samstag unter Jetlag-Gesichtspunkten und einer durchgeschlafenen Nacht fliege ich am Sonntagmittag nach Wien, wo ich Didi treffe um bis einschließlich Dienstag Promotion für den Österreich-Teil der Extratour zu machen. Wir fahren vom Flughafen direkt zum ORF, wo uns Hage Hein, H.v.Goiserns Manager, bereits erwartet. Ebenfalls zugegen sind Marlene, Maria und Elisabeth, die drei Damen aus H.v.G.s Band, die unter dem Namen „Ganes“ ein wunderbares Album in ladinischer Sprache veröffentlichen werden. In Willi Resetarits („Ostbahn-Kurti“) Sendung „Trost & Rat“ spielen und plaudern wir mit dem Meister in einer Art und Weise, die man in der heutigen Radiolandschaft kaum noch findet. Da hat doch tatsächlich in einer Nische eine Sendung aus der guten alten Dampfradiozeit überlebt. Auch wenn ich immer noch leicht Jetlag-mäßig angeschlagen bin, genieße ich es vor allem, mit meinen Weggefährten von H.v.G.s genialer Linz-Europa-Tour Erinnerungen auszutauschen. Weiß gar nicht, ob ich das hier damals reingeschrieben hatte, jedenfalls war es ein Konzert von den Schmetterlingen in der Köln-Mülheimer Stadthalle, bei denen Willi R. damals sang, wo ich ein paar Lieder als Opening Act spielen durfte, was dann schließlich dazu führte, dass mir Eigelstein anbot, bei ihnen ein Album aufzunehmen. Der Rest ist Geschichte. Als wir danach vor unserem Hotel eintreffen, eine weitere Zeitreise: Hier im Hotel Fürstenhof wohnten wir zuletzt im Hochsommer 1984 als wir in Wien waren, um mit Rudi Dolezal und Hannes Rossacher den Videoclip zu „Alexandra“ zu produzieren. Noch auf ein paar Nüdelchen zwei Stationen Wiener S-Bahn weiter in ein Lokal, wo dann die komplette H.v.G.-Band auf uns wartet. Auch hier große Wiedersehensfreude. Nicht ganz so gelungen dann der für den Schönheitsschlaf vorgesehene Teil der Nacht, denn die Folgen des Jetlags sind offensichtlich doch noch nicht überwunden. Die letzte Digitalzahl des Fernsehers, die ich noch wachen Auges registriere, ist 3:30 Uhr und für 8:00 Uhr habe ich den Weckruf bestellt.
Gehe also reichlich angeschlagen in den Interview-Marthon dieses Montags, wobei der eigentliche Horror allerdings daraus besteht, dass ich ständig vor der WAhl zwischen Pest und Cholera stehe, denn der Österreicher raucht nonstopp und das Luftschnappen zwischen den einzelnen Terminen findet im strömenden Regen statt. Wobei noch zu erwähnen wäre, dass ich definitiv falsch gekleidet nach Österreich aufgebrochen bin und wir obendrein unser gesamtes Gepäck (inkl. Gitarre) überall mit hinschleppen müssen. Ständig nasse Füße und kurz vor einer Rauchvergiftung, bin mal gespannt, ob ich das heil überstehe. Die Interviews selbst verlaufen durchweg angenehm, habe den Eindruck, die freuen sich tatsächlich, dass wir nach all den Jahren noch mal bei ihnen auf Tournee gehen, was ja nun wirklich auf Gegenseitigkeit beruht. Abends weiter nach Linz, wo wir ermattet ins Bett fallen, um dann am dritten Tag endgültig mal fit genug zu sein.
Dienstagvormittags also Linz, dann weiter nach Salzburg und mit dem Abendflieger zurück nach Köln. Den ganzen Tag über hatte Christof Ernst vom EXPRESS versucht mich zu erreichen, bis ich ihn dann schließlich nachmittags zwischen zwei Interviews zurückrief um zu erfahren, sie wären in meinem, vor 20 Jahren erschienenen Buch „Auskunft“ auf die Passage über den sadistischen Pater im Rheinbacher Konvikt St. Abert gestoßen und hätten dazu noch ein paar Fragen. Ich ahne, was passieren wird und versuche den Ball so flach wie möglich zu halten, was mir aber wenig nützt. Beim Eintreffen in Köln finde ich mich in größtmöglicher Form auf der Titelseite wieder, und die Seite 3 habe ich dann exklusiv. Erstaunlich bei einer Boulevard-Zeitung, der unser zehntes Nr. 1-Abum nur eine Meldung in Briefmarkengröße wert war? Nein, denn sex & crime sells. Muss halt jetzt aufpassen, dass sich die Story nicht verselbstständigt und in Häppchen seziert zum kompletten Unfug wird. Momentan ist dieses Thema nun mal das was verkauft, Auflage und Quote bringt. Zu „Auskunft“-Zeiten, beziehungsweise als „Domohls“ auf unserem Album „X für e’ U“ erschien, war es noch unauffindbar unter dem Teppich versteckt. Mir schwant, was mir in den kommenden Tagen bevorsteht. Habe jedenfalls nicht vor, mich jetzt zur Galionsfigur der Missbrauchten machen zu lassen.

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