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Trier – Amphitheater

Kurz nach 9 Uhr sitze ich im Air Berlin Flieger und schmunzle mich gemütlich durch Frank Schulz’ „Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien“, denn Christian M. hatte das Abraten der Stader Buchhändlerin nicht resignierend hingenommen, sondern mir „die nächste und sogar noch bessere Schulz – Droge „ (Zitat) einfach zugesteckt. Kaum zu glauben, dass ich den Text zu „Musik, die nit stührt“ geschrieben habe, ohne dieses Buch vorher gelesen zu haben. Es scheint jedenfalls doch mehr Menschen zu geben, die mit dem radiotauglichen Gesangs-Oeuvre des Kollegen Phil Collins ein Problem haben, als befürchtet.

Lande fast pünktlich in Stuttgart, Didi sammelt mich ein und wir fahren durch fantastisches Sommerwetter gen Trier. Obwohl es eine Zeit lang so ausgesehen hatte, dass keine Rockkonzerte im hiesigen Amphitheater mehr geben dürfte, hat man pro Sommer – unter strikter Dezibel und Zeitbegrenzung – noch zwei gestattet. Gestern „In Extremo“, heute BAP. Eine wirklich großartige Kulisse, das einzig blöde ist die große Entfernung vom backstage-Bereich (einer benachbarten Grundschule) zur Bühne.

Beim Soundcheck besprechen wir einige Setlisten-Umstellungen, die jetzt auch so langsam unter Dom-Konzert-Gesichtspunkten vorgenommen werden und spätestens dann problemlos klappen sollten (was heute nur sehr bedingt der Fall ist). Dennoch ein unvergesslicher Abend, an dem wir wegen curfew sogar 5 Minuten vor 8 Uhr angefangen haben um am Schluss nicht zeitlich in die Bredouille zu geraten. Die schönsten Momente: Die hiesige „Rita“ (woher kommt die eigentlich?) wird traditionsgemäß den Song über von ihrem anscheinend kräftigen Mann auf die Schultern gehoben. Später, während „Millione Meile“ erhellt eine einsame Wunderkerze das glückliche, weisshaarige Haupt eines Herren meines Alters im Eagles/ Hotel California-Shirt. Offenbar jemand, der meine Verehrung gegenüber Rory Gallagher teilt. Kurz vor 11 Uhr dann ein, sich vermutlich an meine Geschichte zu „Band enn der Stadt“ erinnernder Vater, namens Jo, der heute, am sechzehnten Geburtstag seines Sohnes Nicki mit diesem in unser Konzert gekommen ist und mir über einen unserer Mitarbeiter die schriftliche Anfrage zukommen ließ, ob wir dem Jungen nicht „Songs sinn Dräume“ (das leider ausgerechnet heute mal nicht auf der Setliste steht) widmen könnten. Keine Ahnung habend, wer die beiden sind, frage ich also vor dem letzten Song, wo sich wohl das Geburtstagskind befinde und staune nicht schlecht, als ausgerechnet die Arme zweier unmittelbar vor mir stehender Herren, die das ganze Konzert über Wort für Wort mitgesungen haben, hochfliegen. Wir spielen „Für immer jung“ für den Sohn (was sich ohnehin als Geburtstagsständchen viel besser eignet), der dazugehörige hünenhafte Vater nimmt ergriffen seine Kopfbedeckung ab – ich glaube sogar ein, zwei Tränchen der Rührung gesehen zu haben, und plötzlich fällt mir auf, wie viel Eltern hier mit ihren inzwischen halbwüchsigen Ablegern im Publikum stehen, was mir wiederum kurzfristig einen Kloß in den Hals zaubert.

Danach musste man dann lediglich noch mit einigen Freunden in bekannten aus der Gegend den Sommerabend – unter Zuhilfenahme von Didis eiserner Stein-Wein-Reserve – beschaulich ausklingen lassen.

Der FC ist heute mal nicht in der ersten Runde aus dem Pokal geflogen und Poldi hat sein erstes Tor in einem Pflichtspiel geschossen. Ein schöner Tag.

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