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Bad Krozingen – Open Air im Park

Wieder den 9:10 Uhr Flieger nach Stuttgart, wo Didi und Micha, der kurz zuvor aus Berlin eingeflogen ist, mich einsammeln. Wir wählen die „landschaftlich schöne Strecke“ durch den Schwarzwald nach Bad Krozingen, im südwestlichsten Winkel der Republik. Wirklich eine wunderschöne Gegend, vom Wettergott bevorzugt, die „Karibik Deutschlands“ hatte ich sie in einem Vorab-Interview zum heutigen Konzert genannt. Wann immer im Fernsehen die Wetterfrösche dozieren, stellt man erneut neid geplagt fest, dass es in Freiburg mal wieder locker 5 Grad wärmer ist als sonst wo. Dass es allerdings inzwischen hier offensichtlich als normal gilt, neben der Landstraße Bananenstauden (!) anzupflanzen, grenz an den Tatbestand der Demütigung Durchreisender. Insofern können mich dann auch die Fächerpalmen im Kurpark von Bad Krozingen nicht mehr groß schocken.

Hierhin geraten sind wir aufgrund plötzlicher hegemonialer Allüren unseres alten hiesigen Veranstalters (KoKo), der in diesem Jahr auch das zwischenzeitlich ins Schlingern geratene ZMF bucht, welcher beleidigt ob unseres Auftritts auf dem Tuttlinger Honberg befand, Freiburg sei zu nahe an Tuttlingen, als dass es noch Sinn machen würde, zeitgleich beim ZMF zu spielen. Den Gegenbeweis liefern wir dann heute in Bad Krozingen, läppische 12 km von Freiburg entfernt, wo man uns bereits seit Jahren hinbuchen wollte, was wir aber aus lauter Verbundenheit zum ZMF immer abgewählt hatten. Nun gut, die Scharte ist ausgewetzt, der Kurpark rappelvoll, der Wettergott gnädig, erneut ein Konzertabend, dem der Tourtitel „Sommernachtstour“ gerecht wird.

Beim nachmittäglichen Soundcheck in der Kurmuschel (kein Scheiß!) vor laufendem Publikum hatten wir noch mal das geprobt, was in Trier nach suboptimal gelaufen war. Auch die mir seit Wochen im Kopf rumspukenden Idee, nach „Novembermorje“ („ich sinn en noch, wie’e me’m Bowie „Helde“ singk“) tatsächlich unsere kölsch-englische Version des Bowie-Klassikers zu spielen, musste heute endlich mal in die Tat umgesetzt werden. Gut so, allgemeine Begeisterung, was allerdings wohl dazu führen wird, dass „Souvenirs“ (das wir heute wenigstens noch mal als Rausschmeißer geprobt hatten), bis auf weiteres wohl auf der Reservebank platz nehmen wird. Ein zweiter Nachteil ist der, dass die Chancen für „Für immer jung“ durch eine weitere Coverversion nach „Millione Meile“ und „Hurricane“ nicht gerade größer werden, schließlich würde ich vermuten, dass die Leute wohl eher kommen um BAP-Songs zu hören und weniger die unserer Helden .

Übrigens bediente ich mich damals beim Verfassen des „Novembermorje“-Textes, was „Heroes“ betrifft, mindestens in einem Fall dessen, was man „dichterische Freiheit“ nennt. Die „blaue Musikbox“ ist die, die bei mir zuhause steht, denn an die Farbe des Exemplars, das seinerzeit im Kölner „Roxy“ stand, in welcher vor allem unser ebenfalls verstorbener Freund und Fotograf „Hermann the German“ Schulte unentwegt den Song drückte, zu dem dann alle Anwesenden (oft halt auch Michael Buthe) lautstark den Refrain mitgrölten, konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Legendär nach wie vor in diesem Zusammenhang unser Auftritt im Schweinfurter Fußballstadion, während der „X für ’e U“-Tour, bei dem wir Hermann „Heroes“ singen ließen. Irgendwo haben wir davon sogar noch einen Video-Mitschnitt. Wenn ich nur wüsste wo!

Nach der Show entsage ich diszipliniert dem Bad Krozinger Nachtleben. Erstens weil ich noch was von der „Aufgspuit“-Aufzeichnung mitkriegen will (prima geworden, finde ich), und zweitens weil der Weckruf am Samstag um 7:00 Uhr erfolgt, damit ich den 11:00 Uhr Flieger zurück nach Palma de Mallorca nicht verpasse, selbst wenn wir auf die landschaftlich schöne Strecke verzichten und auf die schnöde Autobahn zurückgreifen.

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