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St.Malo, Bretagne

Ostersonntag, 11.April, bis Mittwoch, 15.April

Ohne groß darüber nachzudenken, dass „Le Mont St. Michel“ natürlich am Ostersonntag DAS Touristenziel der Bretagne überhaupt ist, fahren wir Deppen erst mal so nahe ran, bis es uns auffällt und wir uns für ein anderes Ziel entscheiden, und zwar für St. Malo, die Corsaren-Stadt, die eigentlich erst als nächste Station vorgesehen war. Eine gute Entscheidung. Wir ckecken im „Hotel France et Chateaubriand“ein (Hotel F.C.), einem leicht in die Jahre gekommenen Grand Hotel, das momentan bei laufendem Betrieb renoviert wird. Wenn es dann einmal fertig ist, dürfte es für Nicht-Oligarchen kaum noch erschwinglich sein, aber im Jetzt-Zustand gehört es genau zu der Sorte Hotel, in der ich am liebsten absteige. Jeder Fetzen Tapete erzählt ein Geschichte, ebenso wie all die Stuckschnörkel und die liebevoll gerahmten Speisekarten, wie zum Beispiel die mit den Pyramiden der Sphinx, vom Weihnachtsessen des Jahres 1940. Leider können wir nur eine Nacht hier wohnen, weil am Ostermontag eine Reisegruppe erwartet wird, die sämtliche Doppelzimmer reserviert hat.

Ziehen also um in’s benachbarte „Hotel de la Cite“, kein wirkliches Problem, zumal wir sowieso die meiste Zeit draußen verbringen. Dieser Teil der ehemals drittwichtigsten Hafenstadt (Saint Malo Intra Muros), ursprünglich auf einer Felsinsel erbaut, nur durch einen schmalen Streifen Sandstrand mit dem Festland verbunden und von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, wurde im Verlauf der Kämpfe nach der alliierten Invasion zu 80 Prozent zerstört, aber danach sehr fachkundig rekonstruiert. Bei Ebbe lässt sich die Stadt wunderbar über Felsenriffe und Sandstrände umrunden, bei Flut lohnt sich die gleiche Strecke über die Stadtmauer, die mich natürlich unmittelbar an die von Essaouira erinnert. Dazu gelernt habe ich, dass die Bürger von Saint Malo, der „Korsarenstadt“, über Jahrhunderte von einer Art legalisierter Piraterie gelebt haben, dass es sogar Aktiengesellschaften gegeben hat, die in diese investiert haben und deren Profit je nach Aktienanteil aufgeteilt wurde. Später hat man dann ordentlich am sogenannten Dreieckshandel verdient: Glitzerkram und Stoffe zur afrikanischen Sklavenküste, diese Waren eingetauscht gegen Sklaven für die neue Welt und von Amerika bzw. der Karibik dann zurück nach St. Malo mit Kaffee, Zucker natürlich all dem Profit, der vor allem beim Sklavenhandel herausgesprungen war.

Der hochangesehene Staatsmann, Philosoph und Poet Chateaubriand ist hier geboren (und auf der winzigen vorgelagerten Insel Grand Be auf eigenen Wunsch beerdigt).Es gab namhafte Seefahrer und Wissenschaftler, wie Jaques Cartier, der als Entdecker Kanadas gilt und Maupertuis, der um 1736 den ersten Globus entwickelt haben soll.

Jedenfalls verbringen wir hier zweieinhalb entspannte Tage, ich komme zum lesen (endlich Reinhold Neven Dumonts „Die Villa“ und David Gilmours „Unser allerbestes Jahr“, das mir Heiner und Elisabeth zum Geburtstag geschenkt hatten), wir sitzen ausführlich in Cafes rum, besuchen das historische Museum der Stadt und gehen früh schlafen Für den Mittwoch, unseren letzten Tag, hatten wir den zweiten „Le Mont St. Michel“-Versuch eingeplant, woraus aber erneut nichts wird, weil es in Strömen regnet. Wir entscheiden uns deshalb auf dem Weg dorthin in Richtung Köln durchzustarten. Auch nicht schlecht, so kann ich mich morgen wenigstens noch einmal konzentriert mit dem Programm für das 30ste TAZ-Jubiläum in Berlin beschäftigen.

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