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Samstag, 7.Mai 2011 – Weiden, Ehemalige Kirche St. Augustin

Kurzstrecke. Die Empfangsdame an der Hotel-Rezeption erschrickt sich regelrecht, als wir bereits kurz nach 12 Uhr mittags einchecken wollen. Kann man verstehen. Das Einzige, an das ich mich noch erinnere, wenn der Städtename „Weiden“ fällt, ist (neben „Witt-Weiden“ natürlich) der ungeheure tiefe Schnee, der damals lag, als wir im Februar 1985 im Rahmen der „Salzjebäck“-Tour zuletzt vor Ort waren. Heute ist das Wetter gottseidank hochsommerlich, das einzige Problem ist, dass wir auch nach längerem Suchen keine SKY-Kneipe finden, in der man die Bundesliga-Konferenz zu zeigen gewillt ist. Klar, sind hier schließlich in Bayern-München-Land. In der Ubier-Schänke läuft heute mit Sicherheit auch keine Konferenz. Erst die Veranstalter dieses Literaturfestivals helfen Oliver und mir aus der Klemme. Seine Mönchengladbacher haben ja schließlich Morgenluft gewittert und befinden sich auf einer erstaunlichen Aufholjagd, und was den FC betrifft, brauche ich ja wohl nichts zu erklären! Wir verbringen zwei großartige Stunden in einer Megakneipe mit Disco, Spielhallen und Hamburger-Restaurant am Stadtrand von Weiden, und die Ergebnisse fallen nahezu komplett nach unseren Vorstellungen aus. Nicht ganz so die Location, an der ich heute singen und lesen soll. Zum allerersten Mal hat man eine säkularisierte Kirche zum Veranstaltungsort gemacht, indem man eine Bühne vorm Altar aufgebaut und Licht- und Tonanlage installiert hat. Schlage innerlich die Hände überm Kopf zusammen, aber mir bleibt nichts anderes übrig, als das mannhaft durchzustehen, obwohl bei diesem Hall natürlich kein nuanciertes Vorlesen möglich ist. Die Songs, die nicht unbedingt mit einem Silbengewittertext daherkommen, klingen in meinen Ohren erstaunlich nach John Lennon mit obligatorischem Elvis-Hall. Schade auch, dass Oliver heute seine Einführung ausfallen lassen muss, weil einer der Veranstalter etwas vorbereitet hat, was er vortragen will und was sich schließlich als die Verleihung des mit 1000€ dotierten „Preises der Weidener Literaturtage“ an meine Wenigkeit herausstellt. Fühle mich geehrt und stecke das Geld noch in der Halbzeit Schein für Schein in die „Rebound“-Sammelbüchse, die ansonsten nur während der Signiererei vor mir auf dem Tisch steht. Bin sehr erleichtert, dass das Publikum anscheinend kein Problem mit den Klangverhältnissen hatte, würde aber – sollte man mich nach meiner Meinung fragen – unbedingt davon abraten, hier drin weitere Veranstaltungen dieser Art stattfinden zu lassen. Das kann auch fürchterlich in die Hose gehen.

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