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Pader / Kalongo

Die „Straßen“ sind nach all dem Regen gerade noch befahrbar sagen unsere Fahrer, und somit machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Kalongo, wo ich mit Manfred im vergangenen Februar das von „Rebound“ finanzierte Schlafsaalgebäude des „Kalongo Technical Institute“ eingeweiht hatte. Damals mit reichlich Brimborium, unser heutiger Besuch soll eine Spur dezenter ausfallen, was auch ansatzweise gelingt. Zunächst auf ein kurzes Gespräch mit dem herzzerreißend engagierten Schulleiter, der mich erneut an den Lokführer aus „Fitzcarraldo“ erinnert, bevor er uns „unser“ Schlafsaalgebäude im perfekt gepflegten Zustand vorführt. Ebenso die beiden, von Manfred und mir davor gepflanzten Ficusbäume, die erstaunlich gut gewachsen sind. Natürlich kann der Mann die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, seine bescheidene Wunschliste vorzutragen: Etagenbetten sind nur halb so viele vorhanden wie sie bräuchten, was natürlich zu Platzverschwendung und Enge in den Schlafsälen führt, und Moskitonetze gäbe es zu wenige. Da werden wir wohl noch was nachlegen müssen, was aber nicht dazu führen wird, dass wir diese Einrichtung auf alle Zeiten von Deutschland aus alimentieren werden. Es ist total wichtig, an der geeigneten Stelle loszulassen und die Verantwortung an lokale, staatliche Stellen zu übergeben. Das Ziel guter Entwicklungshilfe muss immer das eines guten Nachhilfelehrers sein: sich selbst überflüssig zu machen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ hieß es, was natürlich leichter gesagt als getan ist, vor allem in Gegenden, wo die Menschen nicht die blasseste Ahnung davon haben, dass das, was beispielsweise Rebound für sie tut, eigentlich ihr Staat tun müsste. „Uganda ist so groß, da kann sich der Bildungsminister doch nicht um jede Schule kümmern“, sagt unser Schulleiter entschuldigend. Ob er sich überhaupt um eine einzige kümmert, frage ich mich. Der Teil mit den Ansprachen gerät erfreulich übersichtlich, und auch heute spricht Steffen in unserem Namen, um an der geeigneten Stelle zu meinem Beitrag überzuleiten. Lasse „Noh Gulu“ weg, weil ich das Gefühl habe, dass die Jungs nicht mehr so richtig gerne an ihre grauenhafte Vergangenheit erinnert werden wollen und fange direkt mit dem „Redemption Song“ an. „Für `ne Moment“ als Zugabe, wobei mir einfällt, dass man das wunderbar mit dem Konzertmitschnitt mit den Bläck Fööss vorm Dom verschneiden könnte.
Das verspätete Mittagessen nehmen wir in Kalongo Stadt zu uns, wo eine Absolventin der „Pader Girls Academy“ ein kleines Restaurant aufgemacht hat, mit dem sie sich und ihre fünf Geschwister ernährt. Sie hat sich mächtig ins Zeug gelegt und alle sind sich einig, dass man in Norduganda noch nirgendwo so lecker gegessen hat, was wir ihr natürlich auch sagen. Sie hat wirklich allen Grund, auf ihr „multi choice restaurant“ stolz zu sein. Danach noch ein kurzer herzzerreißender Zwischenstopp bei einem Absolventen des Technical Institutes, der sich mit einigen Kollegen zwecks Werkzeug-Sharing zusammengetan hat und Möbel auf Auftragsbasis anfertigt. Er ist 28 Jahre, verheiratet, hat drei Kinder, trägt ein Rebound T-Shirt und hat in seiner Zeit als Kindersoldat ein Bein verloren. Für Steffen und mich hat er jeweils einen Klappstuhl hergestellt, Indianergeschenke, die wir eigentlich nicht annehmen können, aber es wäre äußerst unhöflich sie zurückzuweisen. Wir werden einen Weg finden, diese Stühle auf Umwegen doch zu bezahlen, ohne dass dieser stolze Kerl es merkt.

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