Rebound
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Mittwoch, 2. April 2014 – Osnabrück/Stadthalle

Unterwegs hören wir das Clapton-Album „Me and Mr. Johnson“, das ich mir als CD/DVD-Doppelpack gestern im Walfischbauch zugelegt hatte. Muss übermorgen in Köln unbedingt daran denken, mir mein einziges Robert Johnson-Album rauszusuchen, um die beiden Aufnahmen demnächst unterwegs mal miteinander vergleichen zu können. Überhaupt sollte ich mal die eine oder andere CD auswechseln und hätte da auch schon einige Ideen für Alben, die sich blendend für die Reisen von Stadt zu Stadt eignen würden. Beispielsweise die beiden traurigen Solo-Werke des Del Amitri-Sängers Justin Currie, dessen Konzert in Köln ich letztens leider verpennt habe. In Osnabrück, wo wir uns die letzten Male immer im Rosenhof auf irgendwelche Tourneen vorbereitet haben und ich selbst noch vor einem Jahr eine der letzten „Für ´ne Moment“-Lesungen hatte, fahren wir diesmal direkt zur Stadthalle, die kurz vor Beendigung der Renovierungsarbeiten steht. Auch hier haben wir schon so manches schweisstreibende Rock’n’Roll-Konzert gegeben, dementsprechend die Erinnerungen. Kaum habe ich mich in meiner Garderobe eingerichtet, steht auch schon Julian Dawson auf der Matte, mit dem wir heute ein paar der „Zusamme alt“-Songs spielen wollen. Er hat gestern den letzten Gig seiner Tour gespielt und die Gelegenheit ist günstig, heute mal zu checken, was wir denn wohl gemeinsam im Laufe der drei Aufnahmetage in der Kölner Philharmonie auf die Bühne bringen sollten. Ideen gibt´s genug, sie sollten halt nur keine Fremdkörper in der zu erzählenden Geschichte werden. Beim Gig selbst kommt es dann zu einer merkwürdigen Verzögerung, als ich Julian in der zweiten Halbzeit erneut auf die Bühne bitte, wo er aber nicht erscheint. Erzähle also zur Überbrückung die Story von Schmal, der in den Anfangsjahren von BAP wiederholt nicht zum Proben erschien, weil es wieder mal Stress mit seiner damaligen Frau Regina gab, die überhaupt nicht darauf stand, dass er doch wieder in einer Band spielte. Seine Telefonanrufe sind seither ein Synonym für Nichterscheinen: „Komme später nach“. Jedenfalls erscheint Julian dann doch noch verspätet zu „Lena“ und erst nach dem Gig erfahren wir den Grund für seine Unpünktlichkeit: Er hatte mit seiner Frau Hanna in England telefoniert, die als Krankenhausärztin arbeitet und in Tränen aufgelöst berichtete, dass sie wohl mit einem Latexhandschuh gleichzeitig den Ehering abgestreift und in den Müll geworfen habe und danach erfolglos versucht hatte ihn wiederzufinden. Über sowas kann man zweifellos auch schon mal seinen Einsatz verpassen, nixdestotrotz bekommt er einstimmig von der Crew den „Triple-XXL-Heinz“ verliehen. Schön ist, dass sowas auf dieser Tour nicht zum geringsten Problem wird, weil tatsächlich diese Wohnzimmer-Entspanntheit herrscht. In Sachen „Schunkelverbot“ gehts jetzt tatsächlich auf Rekordjagd. Scheint nur eine Frage der Anmoderation zu sein, jedenfalls erleben wir nach Hannover und Kiel erneut ein wogendes, schunkelndes Publikum, dass selbst in Köln Maßstäbe setzen würde. Aus unserer Perspektive hat man das Gefühl, sturzbesoffen zu sein, ohne auch nur einen Tropfen Alkohol getrunken zu haben.

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