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Kronenburg, Essen, Frankfurt, Berlin

Die Woche fängt damit an, dass ich nach Kronenburg fahre, erstens um einiges an Büchern hinzubringen, die zuhause nicht mehr in die Regale passen, zweitens um meine geduldigen Kakteen zu gießen und drittens, um in Ruhe mit Manfred zu besprechen, wie der Stand der Planungen fürs kommende Jahr genau ist, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Mittwochabends in meiner Funktion als Töchterversteher mit Isis nach Essen in die Lichtburg, wo die Eröffnungsveranstaltung des sechsten Festivals der russischen Kultur stattfindet: „Zauber des Tanzes“, klassisches Ballett in Anwesenheit der russischen Präsidentengattin Swetlana Medwedewa. Nicht unbedingt mein Ding, … ävver wat mäht mer nit all!?
Donnerstag mit Didi nach Frankfurt, wo wir Anne treffen, mit der ich einen gemeinsamen Kurzauftritt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30.Jubiläum von World Vision spiele. Der ARD-Nachrichtensprecher Marc Bator, tatsächlich seit den frühen Achtzigern ein sachkundiger eingefleischter BAP-Fan, moderiert die Veranstaltung. Wir lernen einige Mitarbeiter von World Vision kennen, mit denen ich in Zukunft wohl noch öfter zu tun habe werde, wie den zuständigen Fachmann für den Bereich Ostkongo. Jemand steckt mir einen Artikel aus der ugandischen Tageszeitung „New Vision“ vom 22.November zu, demzufolge Kony sich aus dem Ostkongo in den Sudan, genauer nach Darfur bewegt, um dort unter dem Schutz der sudanesischen Armee zu operieren. Der Bericht basiert auf den Aussagen eines seiner Ex-Kommandeure Charles Arop, der als Sechzehnjähriger in der Gegend von Gulu entführt bzw. zwangsrekrutiert wurde und sich erst vor kurzem, doppelt so alt, aus dem Staub machen konnte.
Freitagmorgen gnadenlos um 6.30 Uhr Weckruf und mit Air Berlin in die Hauptstadt, wo wir um 11.00 Uhr mit dem Rest der Band zum Soundcheck im Ballsaal des Hotel Interconti verabredet sind. Spät in der kommenden Nacht dann erst unser vorläufig (da man ja nicht wirklich weiß, wie so was abläuft)auf eine dreiviertel Stunde kalkulierter Auftritt. Nachmittags ist entsprechend der Strapazen der vergangenen Nacht vor allem Ausruhen angesagt und ab 20.30 Uhr in der Prenzlauer Berg-Sportsbar „Schwalbe“ das Spiel des FC gegen Bochum. Muss man nicht viel zu sagen, außer dass nach den vergangenen drei Grottenkicks endlich mal wieder so was wie Leidenschaft zu spüren war und dass man jetzt – dank Rhani – eine Adresse für FC-Spiele an Tagen hat, wo man aus irgendeinem Grund in Berlin ist.
Unser Gig auf dem Bundespresseball wird dann tatsächlich richtig gut, sodass wir doppelt so lange spielen wie vorgesehen. Gute Stimmung im Saal, meine erste Ansage bezüglich unserer kleinen Unsicherheit vor lauter Prinzessinnen und Pinguinen das Haus rocken zu sollen, nimmt man mit Humor, wir machen uns definitiv nicht zum Affen bzw. zur Bierzelt-Oldie-Truppe, indem wir eisenhart bei der Drittelung der Setliste bleiben und somit auch reichlich Songs vom Pandora-Album spielen. Für mich persönlich die denkwürdigste Stelle im Programm ist „Deshalv spill’ mer he“, denn vor einem Vierteljahrhundert, im Januar 1984, waren wir unmittelbar nach unserem Rauswurf aus der DDR exakt in diesem Hotel hier gelandet, wo damals noch Udo Lindenberg dauerlogierte und unser Verhalten überhaupt nicht lustig fand. Fünf Jahre später fiel bekanntlich die Mauer, und mittlerweile ist die SED-Nachfolgepartei in einigen neuen Bundesländern sogar schon wieder in Regierungsverantwortung.

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