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Köln, Bonn

Vom 26. bis einschließlich 29.Juni ist Oliver in Köln, um die nächste Gesprächsession fürs Buch aufzunehmen. Da es diesmal vor allem um meine Kindheit geht, erlauben wir uns abschließend am Dienstagvormittag einen Rundgang durch die Südstadt, innerhalb des Achthundertmeter-Radius rund um den Chlodwigplatz. In der Tat verblüffend, wie klein der Schauplatz der meisten Geschichten meiner 1950er und frühen 1960er Jahre ist und natürlich wie viel sich schon wieder innerhalb des letzten Jahrzehnts, seit ich von hier weggezogen bin, verändert hat. Auch wenn damals der U-Bahnbau nicht der Grund dafür war sondern unser nicht für kleine Kinder konzipiertes Haus und die fehlenden Spielmöglichkeiten im direkten Umfeld, glaube ich nicht, dass wir diese Krach- und Dreckphase durchgestanden hätten. Mittlerweile hat Hoffmann und Campe den Titel „Für `ne Moment“ im Herbstkatalog aus dem Sack gelassen, sodass die „Ede Wolf“-Zeit auch schon wieder der Vergangenheit angehört.
Von Mittwoch auf Donnerstag ist Stoppok in Köln, wir treffen uns auf einen Plausch im Campi am Wallraffplatz und tauschen unsere aktuellen Alben aus, damit wir wieder auf den neuesten Stand sind. (Jetzt schon mein Lieblingssong auf seiner neuen CD: „Spezialisierte Spezialisten“).
Die Weltmeisterschaftsspiele der deutschen Nationalmannschaft gucken wir im Familienkreis bei den Hells in Bonn, Rhani schaltet sich mindestens zweimal pro Spiel von der laufenden Sting-Tour aus den USA zu.
Am Sonntag, dem 4.Juli, gastiert Patti Smith auf dem Bonner Museumsplatz. Ein handfestes, entspanntes Konzert ohne herausragende Einzelkönner, eine Garagenband halt, mit einer erfahrenen Frontfrau, die keinem mehr etwas beweisen muss. Überraschend lediglich die Auswahl zweier Coversongs, nämlich „Play with fire“ von den Stones und „Perfect day“ von Lou Reed in Versionen, die sie komplett zu eigenen Stücken machen. Am meisten habe ich mich allerdings über „Ghost dance“ gefreut, eines meiner Lieblingslieder, das ich wiederholt mit dem Dudelsack blasenden Großvater unserer naxotischen Vermieterfamilie gespielt habe und in Bälde wieder spielen werde.
Montagabend dann an gleicher Stelle das Norah Jones-Konzert, eine ganz andere Welt: Perfekt bis aufs i-Tüpfelchen abgestimmtes Styling, von der Bühnendeko übers Licht, die Instrumente, die Kleidung und die Frisuren bis zum megacoolen Bühnenverhalten der Backing Group. Norah Jones selbst überzeugt durch ihre unprätentiöse Art und natürlich durch absolut schwerelose Musikalität, ein wunderschönes Konzert.
Dienstagmorgen ein TV-Termin im Chlodwigeck, ein Filmteam will etwas von mir über die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf wissen. Danach noch ins Büro, weil ein Journalist an einem Buch über Martin-Signature-Gitarren und ihre Besitzer arbeitet. Fotos, Interview und wieder nach Hause. Muss mich echt zusammenreißen, um mich jetzt endlich mal final und ausschließlich aufs kommende BAP-Album zu konzentrieren.
Mittwochs wird das schon wieder nichts, denn da treffe ich mich zum ersten Mal in Sachen „Deutschlandlieder“ mit Mike Herting, der – wie bereits 2004 für das erste Big Band-Album – die Arrangements schreiben wird. Könnte ein Hammer werden, zumal da eine Menge Stücke bei sind, die wir wegen ihrer damaligen Tagesaktualität wohl in der Gegenwart und in der Zukunft kaum noch mal in einem BAP-Programm spielen werden, die aber hier noch einmal richtig Sinn machen (beispielsweise „10.Juni“ und „Drei Wünsch frei“). Was jetzt schon feststeht ist jedenfalls, dass deutlich mehr Uptempo-Nummern auf der Liste stehen, als bei NiedeckenKöln. Bin sehr gespannt, wie Mike die Songs für diesen riesigen Klangkörper „Big Band“ arrangiert.
Abends scheitert dann die deutsche Nationalmannschaft an Spanien. Wer weiß, wie das ohne die Hypothek der gelben Kartenflut beim Serbienspiel gelaufen wäre, meines Erachtens konnte man der jungen Mannschaft die Verunsicherung anmerken, als sie jetzt zum ersten Mal im Verlauf des Turniers ohne Müller antreten musste. Wie wichtig der Kerl innerhalb dieses offensichtlich noch sehr fragilen Gefüges ist, wurde gestern beim Spiel um den dritten Platz offensichtlich. Andererseits sind diese ganzen hypothetischen Überlegungen natürlich im Grunde genommen lediglich Fußnoten. Hätte das „Wembley-Tor“ gegen Deutschland gezählt, wären wir dann nicht schon gegen England rausgeflogen? Wäre England 1966 ohne das erste Wembley-Tor überhaupt jemals Weltmeister geworden. Genau deshalb ist Fußball so beliebt, es lebe die Tatsachenentscheidung!
Meine zwei WM 2010-Momente, die ich wohl nie vergessen werde, sind erstens der von Asamoah Gyan verschossene Elfmeter in der letzten Minute der Nachspielzeit der Paarung Uruguay – Ghana und dann zweitens der vom selben Spieler verwandelte erste Elfer beim unmittelbar anschließenden Elfmeterschießen. Das war Tragödie in vollendeter Form. So, jetzt ist Spanien nach einem zweistündigen Grottenkick also Weltmeister und der eine oder andere von uns muss jetzt ganz stark sein, um die fußballfreie Zeit bis zur kommenden Bundesligasaison auf die Reihe zu kriegen. Vielleicht mal raus aus dem Fernsehsessel und rein in den Urlaub?!

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