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Köln

In den heutigen Ausgaben der Kölner Zeitungen nehmen die Berichte über meine „beratende Funktion“ zur Gestaltung zweier Rosenmontags-Persiflagewagen deutlich mehr Raum ein, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Der Stachel meines vermeintlichen Karnevalshasses sitzt anscheinend immer noch sehr tief im Fleisch meines Stammes. Umso schöner ist es, jetzt im Verlauf von zahlreichen innerfamiliären Telefongesprächen zu erleben, wie sehr man sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes freut. Eigentlich ungeheuerlich, dass ein Songtext aus dem Jahr 1981 noch immer dermaßen Wirkung zeigt, obwohl die Welt drum herum ja nun eindeutig eine ganz andere geworden ist. „Nit für Kooche“ spielt in einer Zeit – Jahre vor der Gründung der alternativen Stunksitzung – als der organisierte Kölner Karneval noch fest im Griff der Konservativen war und miefte, was das Zeug hielt. Jedenfalls verspürte ich keinerlei Berührungsängste, als mich im vergangenen Herbst der Zugleiter Christoph Kuckelkorn anrief, um sich mit mir über die Gestaltung eines Persiflagewagens zum Thema „Krisenkontinent Afrika“ zu unterhalten. Zwei Termine später waren wir dann bei der Einsicht angelangt, dass ein Wagen nicht ausreicht, dass es schon zwei sein müssten: Einer würde von der Korruption handeln und der andere von unserer Ignoranz gegenüber den Problemen Afrikas. Ganz wichtig dabei, nicht mit dem Zeigefinger auf Dritte zu deuten sondern uns selbst einzubeziehen, in den Spiegel zu schauen. „Dä Sponsor kütt“ zeigt einen Geschäftsmann, der einem afrikanischen Präsidentenehepaar seine Belohnung für illegale Rohstofflieferungen an die Industrie der „ersten Welt“ bringt, während im Hintergrund Kerle von Soldaten dazu gezwungen werden, diese auszubuddeln. Auf dem zweiten Wagen („Weckjezäppt“) sitzt ein Pärchen vor dem Fernseher und zappt eine Szene mit einem Kindersoldaten weg, will sich den Abend nicht verderben lassen. Selbstverständlich dürfen diese fahrenden Karikaturen auch nicht moralinsauer daherkommen sondern möglichst komisch, auch wenn dem einen oder anderen das Lachen im Hals stecken bleibt. Bisher sind der Öffentlichkeit lediglich die Planzeichnungen des Zeichners Dietmar Willms bekannt, mir wurde das seltene Privileg zuteil, ein paar Blicke in die Wagenbauhalle werfen zu dürfen, was mich sehr beruhigt hat: Die Dinger werden großartig!

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