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Karlsruhe / Tollhaus

Kam also verspätet in Karlsruhe an, konnte mich dann aber glücklich schätzen, an einen Taxifahrer zu geraten, der immerhin wusste, wo sich Durlach befindet. Den „Kranz“ und die Rollerstraße kennt er allerdings nicht. Wir begeben uns also auf eine ausführliche Stadtrundfahrt und nach mehreren Erkundigungstelefonaten erreiche ich schließlich ermattet Jürgens Domizil zu einem Zeitpunkt, als man vor lauter gelber Karten bereits kaum noch das Spielfeld sieht. Klose wird gerade nach einem lächerlichen Kämpfchen um den Ball vom Platz gestellt, die Serben nutzen das Chaos der Schreckminute und erzielen das 1 : 0, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Dieser Schwachmat von Schiedsrichter nimmt dem Spiel jede Möglichkeit, denn spätestens ab hier liegt ein Schatten der Angst vor einem Platzverweis nach irgendeinem Teckling über allem. Poldi verschießt unerklärlicherweise einen Elfer und Löw nimmt dem Spiel, das längst nach Mikado-Regeln geführt wird, mit seinen zwei Auswechslungen schließlich auch noch den mannschaftlichen Zusammenhalt. Inzwischen sind alle Beteiligten unseres heutigen Kurzprogramms angekommen, wir ziehen in Jürgens Proberaum um und arbeiten zwei Stündchen. Danach zum Abendessen (inkl. England – Algerien) in den Kranz und zur Nachtruhe ins wohlbekannte Best Western, das früher „Queens“ hieß gegenüber dieser Gartenhalle, einer der grauenhaftesten Auftrittsorte des Landes, was die akustischen Gegebenheiten betrifft. Dass wir in diesem Glashaus jemals gespielt haben, wundert mich nach wie vor. Jedenfalls zucke ich immer noch regelmäßig zusammen, wenn ich das Ding sehe.
Heute erst mal ein kleiner Stadtbummel und nach dem Holland – Japan-Spiel in die heute einzuweihende neue Tollhaus-Halle zum Soundcheck. Wirklich toll geworden die Hütte, unser Wahl-Durlacher Jürgen ist regelrecht stolz auf „sein“ Tollhaus. Anscheinend klingt der Saal auch richtig gut, und das Fassungsvermögen (bestuhlt 800 / unbestuhlt 1.200) lässt erahnen, dass wir hier in verschiedensten Konstellationen wohl noch öfter auf der Bühne stehen werden. Ab 20.00 Uhr dann ein vielfältiges Programm in sämtlichen Räumen des fast komplett umgekrempelten Hauses; leider einiges, was ich gerne gesehen hätte zeitlich parallel zueinander, beispielsweise tritt die „Kleine Tierschau“, mit denen Didi in seiner Zeit vor BAP häufig unterwegs war, genau während unseres 45-minütgen Beitrags im Nachbarsaal auf. Schön, nach längerer Zeit endlich mal wieder den geschätzten Kollegen Stoppok zu erleben. Nach wie vor einzigartig, wie der Mann mit seinen Geschichten und seinem exzellenten Gitarrenspiel die Leute fesselt. Abermals beteuern wir uns gegenseitig, dass wir viel mehr zusammen machen sollten. Wer mir ebenfalls sehr gut gefällt, ist Habib Koité, der Sänger und Gitarrist aus Mali, wo ja bekanntlich der Blues seine Wurzeln hat. Unser Programm, dieses Mal sogar mit drei Ganes-Liedern („Motivaziun“, „En pü d’amur“ und natürlich „Da sóra“) funktioniert prächtig. Hätte ich mir auch nie träumen lassen, einmal mit Jürgen und vier Mädels (davon drei mit Geige) auf der Bühne zu stehen und das Haus zu rocken. Die schönsten Momente – mal abgesehen von dem perfekten Gesang, den die Südtiroler Damen wie gewohnt auf ladinisch abliefern – sind für mich die Passagen, in denen Anne mit Marlene und Elisabeth auf drei Geigen (Sollte da eine Bratsche dabeigewesen sein?!) improvisiert. Auch schön, als letzte Zugabe heute endlich mal Bob Marleys „Redemption Song“ auf die Setliste gesetzt zu haben, eines der Lieder, die ich in „Songs sinn Dräume“ gemeint hatte. Was für ein Song!

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