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Kaiserslautern, Kammgarn

Der gestrige off-Tag fand in erster Linie auf der Autobahn statt, denn als längere Ostweststrecke innerhalb Deutschlands wäre nur noch die von Frankfurt/Oder nach Saarbrücken in Frage gekommen. Der Film für unterwegs ist „Night on earth“, auch hier Roberto Benigni wieder unglaublich komisch. Fünf Geschichten, die angeblich gleichzeitig in Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki in Taxis passieren. Hatte damals, Anfang der 1990er, nachdem ich ihn im Kino gesehen hatte, „Blonde Mohikaner“ geschrieben, eine weitere Episode irgendwo in Deutschland.
Ankunft K.Town um 19.30 Uhr, einchecken im Hotel und Taxi zum UCI, dem Mulitplex-Kino, irgendwo in den suburbansten Gefilden Kaiserslauterns. Grauenhaft diese Dinger, egal ob es Möbelhäuser, Baumärkte, Gartencenter, fast food-Tempel oder Großkinos sind. Wundert sich wirklich noch irgendjemand über die Verödung der Innenstädte? „Männer die auf Ziegen starren“ steht auf unserem Programm, handelt nicht von Hellmän, mir und dem FC sondern ist ein Film für die Fans skuriler Regisseure von Jim Jarmusch über Tarantino bis zu den Coen-Brüdern. Gut gelacht haben wir.
Heute wachen wir mal in der Stadt auf, in der wir abends auftreten. Erledige einiges an Papierkram im Hotel, das auf dem Betzenberg liegt, wo das Fritz Walter-Stadion (Chapeau für die Beibehaltung des Namens!!) geduldig des Wiederaufstiegs in die erste Liga harrt. Sieht fast so aus, also würden die roten Teufel es dieses Jahr schaffen. Gegönnt sei es ihnen. Christian Timm (ehemaliger FC-Spieler), der momentan beim KSC unter Vertrag ist aber seit Monaten wegen eines Knorpelschadens ausfällt, kommt uns besuchen, ein äußerst angenehmer Zeitgenosse und perfekter Fußballer, der leider immer wieder im Verlauf seiner Profikarriere durch Verletzungspech zurückgeworfen wurde. Schön, dass unser Kontakt immer bestehen blieb, freu mich immer sehr ihn zu treffen.
Kleine Umstellung in unserer Setliste, denn Micha hatte mich nach dem Berliner Gig darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit unserem Opener „Souvenirs“ den Eindruck erwecken könnten, auf Rock `n` Roll-Formation zu machen. Da hat er irgendwie recht, noch einen Bass dazu, eine Rickenbacker-Stromgitarre, und die Nummer klingt wie immer. Fangen also heute mal „janz höösch“ mit „Wat usser Rock `n` Roll“ an, was mir endlich auch mal die Möglichkeit gibt, als ersten Song nach der Pause „Alpdraum“ zu spielen, ohne die Spieldauer des Konzertes weiter auszudehnen, denn „Souvenirs“ ist ja fürs Erste auf der Reservebank gelandet. Der Abend gerät ähnlich locker wie der in Worpswede, erzähle ein paar Spontangeschichten die sich durch die Umstellung bzw. durch Zwischenrufe ergeben und bin erneut verwundert, wie schnell wir wieder mal bei „Hundertmohl“ angekommen sind.
Bei unserer Ankunft im Hotel ist die Bar bereits geschlossen, holen also noch eine Flasche Riesling aus dem Bus, um den Tag mit einem Prösterchen in kleiner Runde ausklingen zu lassen. In der verwaisten Hotelbar läuft eine Compilation von Radiohits aus den späteren Achtzigern. Ein Dokument des Kniefalls vor der im Handstreich gewonnenen Macht des Format-Radios. Der synthetische Soundtrack zu Bundfaltenhosen, Schulterpolstern und Drei Wetter Taft-Frisuren.

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