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Graz, Orpheum

Diesmal ist die Strecke kürzer, die Zeit reicht gerade für den beeindruckenden Crosby, Stills, Nash & Young Antikriegsfilm „Deja Vu“. Nach unserer Ankunft in Graz wo wir ein Vierteljahrhundert nicht mehr gespielt haben mache ich mich direkt auf den Weg, um mir die Stadt zu erbummeln. Die auffälligsten Sehenswürdigkeit neben der wunderschönen Altstadt, ist das 2003 erbaute Kunsthaus Graz, ein nur schwer zu beschreibendes futuristisches Bauwerk, das wie ein riesiges Meerestier raumschiffartig über die Stadt zu kriechen scheint. 1984 hatten wir in den Kasematten des Schlossbergs gemeinsam mit STS das „Schulabschlussfest“ gespielt, eine Veranstaltung mit freiem Eintritt, vor allem von lokalen Banken gesponsert. Ein Jahr zuvor im Februar entstand übrigens im hiesigen „Haus der Jugend“ inmitten von Theaterkulissen das erste gemeinsame Bandfoto mit Jan Dix, das dann das Covermotiv unseres allerersten Live-Albums „Bess demnähx!“ wurde. Kaufe mir das hochgelobte „neue“ Jimi-Hendrix-Album „Valleys of Neptune“, nur um mich später zu fragen, ob die Herren Rezensenten womöglich eine andere Schallaufzeichnung besprochen haben. Die von mir erworbene hat jedenfalls aus gutem Grund all die Jahre im Giftschrank gelegen. Des weiteren lache ich mich schief, als ich tatsächlich in einem Logoshirt-Shop ein T-Shirt mit B.B. Wolf entdecke. Ede Wolf, so der eingedeutschte Name dieser Walt-Disney-Figur, war zum Arbeitstitelhelden unseres im nächsten März erscheinenden Buches geworden, nachdem meine Tochter Isis eines Tages mit einer Eins in Mathe nach Hause gekommen war. Jeder, der als Kind Micky Maus-Hefte gelesen hat, weiß, was ich meine.
Pünktlich zum Soundcheck im Orpheum erscheinen die drei „Ganes“-Mädels, damit wir mit ihnen ihr Lied „Da Sora“ und „Schluss, aus, okay“ mit einer ladinischen Strophe einproben können. Im letzten Moment fällt mir ein, dass sie ja beim Finale „Songs sinn Dräume“ auch mitsingen könnten, und wir proben auch das noch. Uns gelingt bis auf zwei zu früh eingezählte Songanfänge und eine von Anne und Werner herbeigeführte chaosstiftende Kabelverwicklung mit technischen Folgen das für meinen Geschmack bisher beste Konzert der laufenden Tour. Wie man hört, kam es später noch zur rauschenden Ballnacht während ich damit beschäftigt war, schon mal für den sonntäglichen Reisetag mit „landschaftlich schöner Strecke“ über die Felbertauernstraße vorzuschlafen.

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