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Feldkirchen, Stadtsaal

Didi hat sich für die landschaftlich schöne Strecke entschieden. Ein guter Plan. Blöderweise ist das Wetter aber eher suboptimal geraten. Dennoch kann man sich gar nicht richtig satt sehen an der Gegend. Jedenfalls ist unterwegs (auch wegen gefühlter tausend Tunnel) nicht an Lesen zu denken. Wir hören ausschließlich Tom Petty und beschließen, dass das Album „Wildflowers“ hierhin mindestens so gut passt wie seinerzeit „Nebraska“ nach Patagonien. Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir Feldkirchen in Kärnten, eine Kleinstadt, die bei der Tourplanung aus einem mir unerkennbaren Grund der eigentlichen Metropole Klagenfurt vorgezogen wurde. Bemerke bei unserer Ankunft, dass die Crew bereits „gaaanz tief durchatmet“, ein Zeichen dafür, wie viel hier technisch und organisatorisch „nicht richtig rund läuft“. Aber irgendwie kann man diesen Kärntnern auch nicht böse sein. Sie geben sich größte Mühe und sind so nett, dass jeder letztendlich „… alles okay“ findet. Der ganze Ort ist in Aufruhr und alles, was sich halbwegs für Rock´n Roll interessiert, pünktlich zum Konzertbeginn in der Halle. Außer uns, denn durch die „… technischen Unwägbarkeiten“ hat sich zeitlich alles leicht nach hinten verschoben, so dass die Crew noch isst, als eigentlich Willi Ostermanns Hymne von Band laufen müsste. Egal, letztendlich funktioniert dann alles irgendwie doch noch. Nur schade, dass ich die zweite Hälfte der Show nicht mit dem Rücken zum Publikum singen kann, denn bereits nach einer Stunde bin ich von den viel zu niedrig hängenden Scheinwerfern auf meiner Körperrückseite kross angebraten. Die Leute haben jedenfalls Spaß, besonders ein älterer Herr mit einem Blitzlichtgerät, mit dessen Hilfe er unentwegt herumknipst. Auch diesbezüglich legen wir eine erstaunliche Geduld an den Tag, bis ich ihm in der Mitte von „Noh Gulu“ angekommen mitteilen muss, dass es jetzt reicht. Locke unterstützt diese Mitteilung durch seine persönliche Aufwartung und alles ist wieder gut. Nicht schlecht erstaunt sind wir dann erst wieder, als nach „Verdamp lang her“ zwar freundlichst applaudiert wird, aber keiner mehr eine Zugabe erwartet. Na gut, stressig genug war´s ja. Was noch folgt, ist ein fruchtloser Abtrocknungsversuch nach dem Duschen, denn die Handtücher sind noch in der Originalverpackung eingeschweißt, also nicht vorgewaschen, was so viel bedeutet, wie `Absolut saugunfähig`. Also gut. Die „Kölsche Rockband aus den achtziger Jahren“ (eigenmächtig vom gutmeinenden Veranstalter quer über unser Extratour-Plakat gedruckter Hammerslogan) streift sich die Klamotten über die patschnassen Körper, bedankt sich nochmal bei allen Beteiligten und fährt ins Hotel „Kärnten Inn“ an den Ossiacher See, wo die Duldungsstarre dann nachlässt. Extrem nette Wirte, aus Olpe irgendwann hier in die Traumgegend gezogen, wo Klein Wölfi dereinst vor über einem halben Jahrhundert im Wörthersee schwimmen lernte. Mein erster Eindruck war damals allerdings verheerend gewesen, weil ich den Unterschied zwischen See und Meer noch nicht gerafft hatte und sich somit da wo ich einen Horizont erwartete hatte das Pörtschach gegenüberliegende Seeufer mit der Kapelle Maria Wörth befand. Der Überlieferung nach soll ich damals ziemlich rumgeweint haben.

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