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Alf/Mosel, Haus Waldfrieden

Nach einem entspannten Unplugged-Probenwochenende bei mir zuhause in Köln (Rhani hatte bereits am Freitagnachmittag aufgebaut, sodass wir uns noch einen gemeinsamen Kinoabend erlauben konnten – „A serious man“ von den Coen Bros. Großartig! – bevor wir gegen Mitternacht unsere Anne mit ihrem immensen Instrumentarium am Bahnhof abholten) kutschiert uns Didi am Montagmittag an die Mosel zum Winzer unseres Vertrauens. Endlich mal wieder eine Gelegenheit, ein paar Tage bei Uli und Piet Stein zu verbringen. Den ersten Nachmittag gehen wir geruhsam an, spielen nicht unbedingt sämtliche Songs zu Ende, erlauben uns stattdessen lieber noch einen kleinen Spaziergang zum Ehrenfriedhof und zum Aussichtsturm, von wo aus man einen phantastischen Blick auf die Moselschleife, Alf und Bullay hat. Während des Krieges waren hier oben Flakstellungen installiert, von denen aus man britische Bomber abwehrte, die es auf die doppelstöckige Moselbrücke (oben Eisenbahn, unten Autoverkehr) abgesehen hatte. Dem entsprechend liegen auf dem vom sonntaglichen Orkan ziemlich mitgenommenen Ehrenfriedhof (Die Bezeichnung „Heldenfriedhof“ hat man erfreulicherweise in den 1970er Jahren auf dem Schrotthaufen der Geschichte entsorgt.) lauter gefallene deutsche Soldaten neben ihren polnischen Handlangern, Zwangsarbeitern, die man ihnen zum Munition schleppen zur Verfügung gestellt hatte. Auch reichlich SS-Truppen sollen vor allem gegen Ende des Krieges mit von der Partie gewesen sein. So liegen sie da jetzt also friedlich vereint nebeneinander, gestorben für absolut nichts. Der Tod, der große Gleichmacher!
Abends sitzen wir noch ein wenig nach dem Essen zusammen, Uli erzählt Schwänke aus dem real-existierenden Winzeralltag und am Dienstagvormittag geht’s dann ab 11.00 Uhr konzentriert zur Sache. Die Setliste, noch nicht auf Länge geprüft, fühlt sich einigermaßen logisch an. Definitiv kein big hits-Programm, statt dessen eine Titelauswahl, die diesem Spaßprojekt entspricht: „Songs aus Köln, Berlin, New York un Jottweißwo“. Eigene Stücke aus dem BAP-, Big Band- und Complizen-Repertoire, Coverversionen von Dylan, Lou Reed, Cohen, Springsteen, Neil Young und den Beatles, die so mühelos miteinander kombinierbar sind, als wären sie genau für diesen Zweck geschrieben worden. Kommen sehr gut voran, hier und da fehlt noch ein wenig Routine, aber die kann sich erfahrungsgemäß ja auch nur unter Konzertbedingungen entwickeln.
Heute nach dem Frühstück dann ein letzter Durchlauf, ein paar Stunden zum Relaxen und ab 19.00 Uhr trifft dann unser winziges Publikum ein, ca. hundert namentlich bekannte Personen aus dem Kunden- und Bekanntenkreis der Steins, unserem Freundeskreis und einige hard fans der Stammkapelle. Leicht verspätet geht’s dann los und kurz nach Mitternacht – was allerdings auch mit der ausführlichen Pause in der Mitte des Programms zusammenhängt – sind wir durch. Man ist allseits zufrieden, in Punkto Quasselfaktor habe ich mir keinerlei Beschränkungen auferlegt, warum auch? Fazit: Die erste Hälfte ist mir einen Song zu lang, und die Zugaben kann man pointierter planen. Erst nach 3.00 Uhr ins Bett, „Rocky Racoon“ als Ohrwurm, „… medden enn dä Eifel …“ Et woor schön.

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