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Düren, Schloss Burgau

Eine längere Strecke innerhalb der Eifel dürfte schwer zu finden sein. Wir fahren vom südlichen an den nördlichen Rand, dahin wo die Leute bereits Schwierigkeiten damit haben, ihre Zugehörigkeit zur Eifel zu bekennen, nach Düren. Die Stadt war am Ende des 2.Weltkrieges zu über 90 Prozent in Schutt und Asche zerlegt worden, weil über sie der Nachschub des deutschen Militärs für die Schlacht im Hürtgenwald lief, wo damals mehr amerikanische Soldaten ums Leben kamen als im gesamten Vietnamkrieg. Schade, dass wir keine & Co-Version von „Amerika“ eingeprobt haben. Auch Schloss Burgau, dessen älteste Teile aus dem Mittelalter stammen, war zum größten Teil zerstört und was stehen geblieben war, benutzten die Dürener in den ersten Nachkriegsjahren als Steinbruch. Erst in den 1970er Jahren hat man damit begonnen, sie mit Spendenmitteln wieder aufzubauen. Hier, im L-förmigen Winkelsaal der Vorburg, einem zum Wasserschloss hin offenen ehemaligen Gehöft findet der heutige Benefiz-Auftritt zugunsten des Heinrich Böll-Hauses im benachbarten Langenbroich statt. Hier hatten ein Jahr vor Heinrich Bölls Tod Viktor Böll und Herbert Hoven unseren Film „Kölner Erinnerungen aus vierzig Jahren“ gedreht, der immer noch erfreulich oft in den dritten Programmen wiederholt wird und sogar ausschnittweise in Wim Wenders BAP-Film aufgetaucht ist. Seit 1989 beherbergt der „Heinrich Böll Haus Langenbroich e.V.“ Literaturstipendiaten, die aus bedrängten politischen Verhältnissen kommend hier für eine begrenzte Zeit die nötige Ruhe für ihre Arbeit finden sollen.
Das Konzert ist nicht gerade einfach zu stemmen, denn im rechten Winkel in zweierlei Richtungen zu spielen ist aus unserer Perspektive äußerst irritierend, zumal die ersten Reihen für relativ regungslose Honoratioren reserviert sind. Habe erhebliche Bedenken, ob sich die Mitglieder des hiesigen Lions Clubs, der sich wohl sehr um den Wiederaufbau von Schloss Burgau verdient gemacht hat, in meinem Repertoire auch nur halbwegs auskennt. Kann und will deswegen aber den Quasselfaktor nicht übertrieben nach oben fahren, schließlich wähne ich weiter hinten noch ausreichend genug Stammpublikum. Zwei, drei technische und akustische Hürden werden in der ersten Halbzeit relativ unfallfrei genommen, und nach der Pause läuft dann alles wie am Schnürchen. Das letzte Schmunzeln des Abends erzeugt der Name unseres Dürener Hotel: So als ob da jemand Regie geführt hätte, landen wir nämlich im „Hotel zur Post“, neuerdings der Gemeinde auch bekannt als das aus unserer „Rocky Racoon“-Version „Karl Heinz Buhr“: „… nohm sich e Zemmer em Hotel zur Post und laat sich op de Luhr.“ Vielleicht sollten wir beim morgigen Konzert auch die zweite Eifel-Nummer, den „Alpdraum“ vom allerersten BAP-Album endlich mal spielen. Wer weiß, was dann noch alles passiert.

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