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Mittwoch, 16.März bis Samstag, 19.März 2011 – Köln, Leipzig, München, Köln

Mittwoch, 16.März – Samstag, 19.März 2011 / Köln, Leipzig, München, Köln
Erst noch ein langes Interview im Büro, dann mit Didi auf die Autobahn, vertrauter Modus. Auf dem Weg nach Leipzig hören wir die neue R.E.M. und das Beady Eye-Album. Jetzt hören sich die Oasis-Restmusikanten endgültig an wie John Lennon mit wilder Begleitkapelle. Nicht schlecht, das gleiche gilt für Michael Stipe & Konsorten. Zur Tagesschau checken wir ein, noch zum „Don Camillo & Peppone“-Edelitaliener und endlich mal frühe Nachtruhe. Becks „unplugged“ heißt die Devise für diese Tage und Wochen.

Donnerstag dann der bisher härteste Promotag, denn formal erscheint am ersten Tag der Buchmesse unser Buch. Werde von einem Termin zur nächsten TV-Interview-Aufzeichnung gejagt, natürlich wird auch überall eine Stellungnahme zur Situation erwartet. Es fällt mir extrem schwer, mich im Griff zu halten, denn meine Empörung über das scheinheilige Verhalten unserer Regierung und dieses fadenscheinige dreimonatige Moratorium aus wahltaktischen Gründen darf nicht zu einem Wutausbruch vor laufender Kamera führen. Es ist unfassbar, „wie freiwillig sich der Mensch selbst ausradiert“, habe ich in den vergangenen Tagen wiederholt beim Proben von „Drei Wünsch frei“ gesungen und auch der Text von „Enn Dreidüüvelsname“ vom neuen Album passt wie Faust aufs Auge. Was sind das bloß für Zyniker, die Atomkraftwerke auf aneinanderstoßende Kontinentalplatten bauen, wo zwangsläufig alle paar Jahrzehnte Erdbeben und Tsunamis stattfinden. Haben die keine Kinder oder Enkel, denen sie eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen? Diese Spezies sitzt jetzt da und überlegt lediglich, wie lange sie die Füße stillhalten muss, bis sie mit ihrer Gier in die nächsten Runde gehen kann, weil die nächste Sau durchs Mediendorf getrieben wird. Dieselben Typen, die an Börsen auf Staatsbankrotte wetten oder mit Getreideernten spekulieren und der Dritten Welt die Grundnahrungsmittelpreise ins Unerschwingliche hochtreiben.
Abends im Leipziger Theater die erste Lesung von „Für ‚ne Moment“, allerdings keine vollständige, denn die Veranstaltung ist zeitlich begrenzt, und eine Hälfte besteht aus einem Gespräch, das Christoph Dieckmann von der „Zeit“ mit mir führt. Leider war kaum Zeit, mich adäquat auf diese Lesung vorzubereiten, alles ziemlich holterdipolter aus der Hüfte und meine Leistungsfähigkeit stößt an ihre Grenzen. Vor allem „Hollywood Boulevard“ gerät zu einer „Jugend forscht“-Version; hatte den Song ewig nicht mehr gespielt und vor lauter Andacht beim Lesen gerate ich Akkordemäßig auf dermaßen deutliche Abwege, dass ich abbrechen und noch mal anfangen muss. Auch die Auswahl der Textpassagen war irgendwie suboptimal, beispielsweise war überhaupt nichts Komisches dabei und die New York-Stelle hatte für den Zuhörer keinen erkennbaren Bezug zu „Jriefbar noh“. Bin unzufrieden, habe aber auch keine Ahnung, wie ich das hätte besser hinkriegen sollen, denn selbst essen konnte ich nur im Gehen und Gänge zur Toilette führten unmittelbar zu Komplikationen im Terminplan. Stress!

Am Freitagmorgen klingelt dann der Wecker um 6.30 Uhr, Fahrt zum Flughafen, von da aus nach München, zwei Radioaufzeichnungen beim Bayerischen Rundfunk und weiter mit dem Flieger nach Köln, wo mich Didi einsammelt und zum WDR-Gelände in Bocklemünd kutschiert. Live on tape-Aufzeichnung von Bettina Böttingers Talkshow „Kölner Treff“, die dann eine Stunde zeitversetzt ausgestrahlt wird.

Samstags von 12.00 Uhr bis 15 Uhr Interviews, dann das FC-Debakel beim HSV und frühe Nachtruhe. Irgendwie reichts fürs Erste.

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