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Köln – Leverkusen

Im Studio geht es erstmal mit Gitarren und Keyboard-Overdubs weiter. Ein völlig anderer Groove im Tagesablauf, wie gesagt ist die Zeit des Musizierens erstmal abgelaufen. Dennoch für die Hiergebliebenen weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit, wen auch die einzelnen Hoheitsgebiete eindeutig definiert sind. Natürlich passt man auf, dass sich da nichts durch ein Overdub in eine Richtung entwickelt, in der sich nicht alle wohlfühlen. Ist aber bisher noch gar nicht vorgekommen. Lese zwischendurch vor allem aber morgens und abends im Bett Keith Richards frisch erschienene Autobiografie „Life“. Ein großes Vergnügen, wenn mir auch auf Dauer die Geschichten zur Musik im Verhältnis zum Thema Drogen etwas zu kurz kommen. Dermaßen detailliert will ich das eigentlich auch gar nicht wissen. Fest steht, dass Mr. Rock’n’Roll ein Riesenherz hat und ein Mensch voller Güte und Respekt ist. Das wusste ich allerdings auch schon vorher. Habe mir jedenfalls seine Soloalben nochmal aus dem Regal geholt, um sie auf dem Weg ins Studio zu hören und vor allem das Ex-Pensive Winos Live-Album aus dem Palladium hat sich zurück in mein Bewusstsein gerockt
(„… wo hätt sich vum Richards die ald widder versteck?“).
Montag- und Dienstagnachmittag Proben mit der WDR Big Band. Anne ist aus Hamburg dazu angereist und eigentlich war geplant, dass sie nach dem Auftritt am Mittwoch in Leverkusen in Köln bleibt, um ihre Overdubs zu spielen, aber wir sind einfach noch nicht soweit, dass das Sinn machen würde. Dadurch dass wir auch diesmal lediglich anderthalb Stunden Spielzeit zur Verfügung haben, wird es die kompletten Deutschlandlieder in Leverkusen erneut nicht geben. Wechsele einige Songs aus, sodass wir wenigstens auch mal „Nie met Aljebra“ und „10.Juni“ vor Publikum antesten können, womit aber immer noch nicht alle Deutschlandlieder unter Live-Bedingungen stattgefunden haben.
Spielen jedenfalls einen ausgesprochen flüssigen Gig vor vollem Haus. Viele vertraute Gesichter in den vorderen Reihen und wie ich glaube erkennen zu können, großes Entzücken über einige der verloren geglaubten Songs. Hätte persönlich übrigens nie für möglich gehalten, dass „10.Juni (plant uns bloß nit bei üch enn …“) für mich noch einmal dermaßen aktuell werden könnte. Schon bei den Proben hatte ich auf einmal wieder die Bilder von den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und Gorleben vor Augen. Gerade, was die Endlagerung von Atommüll betrifft, bin ich einigermaßen fassungslos. Immerhin strahlt das radioaktive Zeug noch munter 200.000 Jahre weiter vor sich hin. Vor 200.000 Jahren hat die getrennte Entwicklung von Mensch und Affe begonnen, der Begriff „kommende Generationen“ muss in diesem Zusammenhang völlig neu definiert werden.
Ab Donnerstagnachmittag dann auch erstes Befassen mit endgültigen Gesangsspuren. Freitag mit Stackman alleine im Studio, als erstes sind meine Songs an der Reihe, da ist der Komponist ja dann auf jeden Fall zugegen und Micha kann mal für ein Wochenende nach Berlin entschweben. Helmut spielt abends mit Köster / Hocker und hat auch mal eine Verschnaufpause verdient. Alles läuft bestens.

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