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Schweiz, Schupfart-Festival

Nach einer unter FC-Gesichtspunkten äußerst erfreulichen Woche (Bundesligasieg in Stuttgart, Pokalsieg zuhause gegen Wolfsburg) treffen wir uns bereits am Vorabend im Hotel Platanenhof im Schweizer Städtchen Frick, um vor dem letzten Pandora-Gig mal die grobe Planung unserer gemeinsamen Aktivitäten in der kommenden Zeit zu besprechen. Darf ich natürlich hier noch nicht detailliert aufdröseln, nur so viel: Ende Mai 2010 wird es das einzige BAP-Deutschlandkonzert des Jahres geben. Mehr davon demnächst, sobald alles unter Dach und Fach ist. Ansonsten wird vor allem am Material für das nächste Album geschraubt, für welches es bisher lediglich den Titel und die Cover-Idee gibt.
Schon früh am Nachmittag fahren wir ins 500-Seelen-Dorf Schupfart, das ich tatsächlich auf keiner Landkarte finden konnte, dessen einzige Berühmtheit sein Sportflugplatz und das darauf seit 25 Jahren stattfindende seltsame Festival ist. Seltsam deshalb, weil an drei Tagen hintereinander beinhart Rock, Country und Schlager auf dem Programm stehen. „Für jeden etwas“ heißt die Devise. Der Bogen spannt sich also von den heutigen drei Bands Lovebugs, BAP und GOTTHARD über die morgigen, mir bis auf Truck Stop unbekannten Country-Kapellen bis hin zu den sonntäglichen Klostertalern und den Höhnern. Leicht gewöhnungsbedürftig, aber solange die Acts nicht durcheinander geraten irgendwie auch wieder okay. Jedenfalls funktioniert dieses Konzept hervorragend, und somit spielen wir unseren letzten Pandora (Halb-)Gig vor ca. 5.000 Leuten in einem riesigen Zelt und haben ordentlich Spaß auf der Bühne.
Vor uns eine in der Schweiz anscheinend beliebte Jung-Formation namens Lovebugs, die sich durchaus gekonnt an einer radiotauglichen Mischung aus U2 und Coldplay-Klängen versucht. Ziemlich frisch das Ganze, wenn auch nicht unbedingt von großer Authentizität getragen. GOTTHARD, die Schweizer Hardrock-Kapelle mit internationalen Ambitionen, hingegen kommen mir vor wie aus einer Spinal Tap-Zeitmaschine entsprungen. Es wird geposed was das Zeit hält, rechts und links neben dem Trommler soweit das Auge reicht Boxenattrappen-Schrankwände, die tierisch was hermachen sollen und ein schamhaft neben dem Arbeitsplatz des Gitarrenroadies versteckter Keyboarder, dessen synthetische Klänge man aus Bombastgründen wohl braucht, der aber aus Image-Gründen nichts im Rampenlicht zu suchen hat. Egal, es fällt unter Rock `n` Roll, und die Jungs machen ihr Ding, es sei ihnen gegönnt. Für mich persönlich ein weiteres Paradebeispiel für das, wogegen sich vor geraumer Zeit einmal Grunge-Bands wie Nirvana und Pearl Jam formiert haben. Eigentlich bin ich ja auch lediglich erstaunt darüber, dass es so was nach all den Jahren immer noch in erfolgreicher Form gibt.
Noch bevor das Programm zu Ende ist und die Straße unpassierbar wird, brechen wir ins Hotel auf, wo es für die meisten noch gemütlich wird. Für mich lediglich einen Absacker, weil ja der Weckruf für 8.00 Uhr bestellt ist; schließlich spielt der Erstligist der herzen um 15.30 Uhr gegen die Überflüssigen. Da will man ja dabei sein, auch wenn es keinerlei Gewissheit dafür gibt, dass die kleine Glückssträhne andauert. Wenn nicht: „Wer weiß, wofür et joot ess!“ Die passenden Mantren liegen jedenfalls bereit. Um 14.05 Uhr läuft mein ICE im Kölner Hbf ein, erst dann ist die „Radio Pandora“-Tour wirklich zu Ende.

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