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Laudatio Klaus Voormann/ECHO-Lebenswerk 2018

Ehrlich gesagt: „I`m a substitute for another guy“, aber das geht völlig okay, wenn dieser „other guy“ Paul Mc Cartney ist. Der Mann kann leider nicht aus Los Angeles weg, weil er kurz vor Vollendung seines neuen Albums steht. Und das ist mein Glück, denn wer kann schon von sich behaupten, für Paul Mc Cartney eingesprungen zu sein.
Klaus Voormann trat in mein Leben, als ich in den 60gern im Beat-Club die Band Manfred Mann sah. Der Song hieß „Mighty Quinn“ und dieser gutaussehende Bassist schaffte es doch tatsächlich, gleichzeitig Querflöte und Bass-Gitarre zu spielen. Unschuldig, wie ich damals war, hatte ich noch nicht gerafft, was ein „Playback- Auftritt“ ist. Aber beschäftigt hatte mich das schon. Wie macht dieser Kerl das bloß?
Ungefähr zwei Jahrzehnte später haben wir uns dann persönlich bei den Aufnahmen vom Jubiläumsalbum der Bläck Fööss kennengelernt, welches er als Produzent betreute.
Für mich war das so was wie Liebe auf den ersten Blick. Ich lernte ein Vorbild an Gelassenheit, einen wahren Künstler mit einem sehr speziellen, feinen Humor kennen. Das ist inzwischen auch schon wieder fast 30 Jahre her, in denen er mich immer wieder aufs Neue mit seiner Phantasie verblüffte. Wenn man seine Geschichte heute erzählt, klingt sie wie ein Märchen:
Er war eines Abends in den Hamburger Kaiserkeller geraten, wo fünf Jungs aus Liverpool vor Laufpublikum spielten. Es waren die Beatles, noch mit Pete Best am Schlagzeug und Stuart Sutcliff am Bass. Paul Mc Cartney spielte damals noch Gitarre.
Um`s kurz zu machen, man freundete sich an und nachdem Stuart aus der Band ausgestiegen war, um Kunst zu studieren, hatte er seinen Bass für 200 Mark an Klaus verkauft und es sah für einen kurzen Moment so aus, als würde Klaus der neue Bassist der Beatles werden. Aber dumm gelaufen: Paul hatte sich soeben in Hamburg einen Höfner-Bass gekauft. Aber die Weichen waren gestellt. Klaus, der eigentlich seinen Lebensunterhalt als Grafiker bei der Hör`zu verdiente, fuhr ab sofort zweigleisig. Seine erste Band hieß Paddy, Klaus & Gibson, dann Manfred Mann, aber auch das legendäre Cover vom Beatles-Album „Revolver“ hat er designed. Inzwischen war er nach London gezogen und nachdem die Beatles sich 1970 aufgelöst hatten, spielte er auf den meisten Solo-Alben von John, George und Ringo. Paul brauchte natürlich keinen Bassisten. In der Londoner Studio-Szene war Klaus mittlerweile sehr gefragt, später dann auch in New York und L.A.
Unter anderem hat er auf „B.B. King in London“ gespielt, auf Randy Newmans Album „Little Criminals“ und das nervöse Bassintro von Carly Simons „You`re so vain“ stammt auch von ihm. Er war Dr.John`s Bassist und David Bowie, als Produzent von Lou Reeds „Transformer“-Album holte ihn ebenfalls ins Studio. Perfect Day! Sehr lustig sind auch die Geschichten aus der Zeit in der Plastic-Ono-Band, wo er mit Eric Clapton und John Lennon spielte. Aber die würden hier wohl den Rahmen sprengen.
1979 ist Klaus nach Deutschland zurückgekehrt und hat hier hauptsächlich als Produzent gearbeitet, aber auch als Grafiker hat er weiterhin Maßstäbe gesetzt. Beispielweise mit seinem Artwork für die Beatles-Anthologie, für das er sich eigens die Spritzpistolen-Technik draufgeschafft hat. Klaus ist absolut geschmacksfest, besitzt einen unerschöpflichen Gestaltungswillen und geht zum Lachen nie in den Keller. Sehr empfehlenswert übrigens, neben seinem Solo-Album „A Sidemans Journey“, seine Autobiografie mit dem Titel „Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John?“ zu der Paul Mc Cartney das Vorwort beisteuerte, weil Klaus ihn darum gebeten hatte. „Was soll ich denn da schreiben?“ fragte Paul und Klaus antwortete: „Naja, z.B. was ich für ein Arschloch bin...“ Das Resultat ( ich zitiere):
„ Klaus ist ein wunderbarer Mensch, ein verrückter Hund, ein leidenschaftlicher Kunst und Musikliebhaber, ein prächtiger Vater und Ehemann, ein enger Freund und ein totales Arschloch.“
Dem kann man als Normalsterblicher natürlich nichts mehr hinzufügen.
Der Einzige der das kann ist Sir Paul Mc Cartney selbst.
Heute morgen kann das hier bei uns an:(BEIDE EINSPIELER)
Ich bin sehr stolz, meinem alten Freund Klaus den
ECHO für sein Lebenswerk überreichen zu dürfen.
Was für eine Reise!?


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