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Mittwoch, 8.Oktober 2014 – Samstag, 11.Oktober 2014, Köln – Berlin – Leipzig – Köln

Spät in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch lande ich auf dem Köln-Bonner Flughafen. War eine hervorragende Idee, nochmal für eine Woche zurück in die Türkei zu fliegen. Wie es aussieht, ist sogar der erste Song fürs nächste Album dabei rausgesprungen. Jetzt hat mich jedenfalls die Heimat wieder, und für die kommenden Tage bin ich ordentlich verplant. Mittwoch zwei TV-Interview-Termine zu unterschiedlichen Themen: Arte dreht einen Film zur Geschichte des Circus Roncalli, die ja – wie die unsere ebenfalls - etwas mit der besetzten Stollwerck-Fabrik zu tun hat. Des Weiteren wird demnächst das „Konzert für Berlin“ auf einer Live-CD erscheinen. Drei Tage nach dem Mauerfall hatten wir damals mit den unterschiedlichsten Acts aus Ost und West in der Berliner Deutschlandhalle gespielt: Nina Hagen, Udo Lindenberg, Joe Cocker, Silly, Pankow, Die Toten Hosen, Heinz Rudolf Kunze und viele, viele mehr. Ein denkwürdiges Ereignis, von dem ich nicht allzu viel in Erinnerung behalten habe. Auf jeden Fall aber, dass Bertram Engel vom Panikorchester unseren Jürgen vertreten hat, weil der wohl irgendwas mit der Schulter hatte, dass die Ost-Bands ihre Anlagen in Bussen mit extrem hohem Radstand herbeischafften und dass wir uns alle riesig gefreut haben, mit Joe Cocker „With a little help from my friends“ zu singen. Mal ganz zu schweigen davon, dass diese Veranstaltung sowieso etwas Traumhaftes hatte, denn – wie gesagt – noch vor vier Tagen hatten die Menschen weltweit die Luft angehalten, ob diese Revolution friedlich verlaufen würde. Der „himmlische Frieden“ in Peking war noch in guter Erinnerung.
Am Donnerstag fliegen wir nach Berlin, um unsere Pläne für die nächsten Monate mit den Leuten von der Universal abzustimmen und am Freitag per Zug dann nach Leipzig, wo am Abend die „Goldene Henne“ stattfindet, die Verleihung des MDR-Medienpreises. Hier freue ich mich besonders, die Musiker wiederzutreffen, mit denen wir die zwei Songs für Maschines Solo-Album aufgenommen haben. Vor allem natürlich Maschine selbst, Uwe Hassbecker von Silly und Max Repke von „Club der toten Dichter“. Seit wir Maschines Werk im März dieses Jahres in der Berliner Kulturbrauerei präsentiert haben, ist ja wieder einiges passiert, somit gibt’s auch wieder einiges zu erzählen. Heute, sozusagen als TV-Premiere, spielen wir „Was wussten wir denn schon?“, denn dieser Song passt ja nun wirklich wie Faust aufs Auge. Man hat die Goldene Henne-Verleihung anlässlich des Mauerfalljubiläums extra nach Leipzig verlegt, und natürlich finden die meisten Programmpunkte auch unter diesem Aspekt statt. Sehr schön, dass nach 30 Jahren noch einmal die Geschichte unserer abgesagten DDR-Tour erzählt und bebildert wurde, was erheblich zum Verständnis von „Was wussten wir denn schon?“ beiträgt. Schade, dass wir in dieser riesigen Messehalle hinter der Bühne kaum was vom Programm mitbekommen haben, denn es gab zwar einen großen Fernseher, allerdings ohne Ton, sodass man nur erahnen konnte, was draußen wohl abging. Ehrlich gesagt habe ich von der „Goldenen Henne“ bisher noch nie was gehört und vermutlich wäre diese Veranstaltung auch weiterhin unbemerkt an mir vorbeigegangen, wenn ich nicht auf Maschines Album mitgesungen hätte. Aber dann hätte ich auch vieles andere, was damit im Zusammenhang steht, nicht erlebt, und das wäre schon außerordentlich schade. Wenn ich allein daran denke, wie wir da alle in friedlicher Eintracht zusammensitzen – von den Maffay-Musikern angefangen (u.a. den „Leoparden“ Carl Carlton, Bertram Engel und Ken Taylor), Jan Josef Liefers und seiner Band über Andreas Bourani (bei dem heute Björn Werra Bass spielt), bis zu den sich momentan unter dem Sammelbegriff „Rocklegenden“ auf Tournee befindenden Ostbands „Karat“, „City“ und „Puhdys“ – dann habe ich schon den Eindruck, dass da „etwas zusammengewachsen ist, was zusammengehört“. Und da interessiert es mich dann auch nur noch äußerst peripher, ob diese Sendung imagemäßig korrekt ist. Viel interessanter wäre es, sich mal mit der Frage auseinanderzusetzen, wieso die Radio- und Fernsehlandschaft in den neuen Bundesländern so ist wie sie ist. Und selbstverständlich ist mir an diesem Freitagabend nicht verborgen geblieben in einem Paralleluniversum gelandet zu sein, nämlich in einer Sendung, bei der ich als unbeteiligter Zuschauer mit ziemlicher Sicherheit weiterzappen würde. Wie hieß der Film mit Peter Sellers nochmal? Ach ja: „Welcome Mr. Chance“. Eine großartige Satire.