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Samstag 8. September bis Montag 16. September Köln/Alf a. d. Mosel/ Münchhausen/ Baden Baden/ Berlin/ Köln

Der Sonntag findet tatsächlich man zu Hause statt. Unsere neuen Nachbarn feiern ihr Gartenfest, wir sind eingeladen und freuen uns gemeinsam darüber, dass es entgegen sämtlichen Prognosen doch nicht regnet.

Montag dann wieder voll Rohr Presseinterviews, am Spätnachmittag chauffiert mich Isis nach Alf an der Mosel, wo wir tatsächlich für die Radiokonzerte proben. Wir, das sind Anne de Wolff, ihr Mann Ulle Rohde, Julian Dawson, Björn Werra und ich. Fisch hat eine kleine Crew zusammengestellt, mit der wir in flexibler Form die Live-Anforderungen der kommenden Wochen meistern werden. Björn, den Bassisten lerne ich erst bei meiner Ankunft kennen, Anne und Ulle hatten ihn empfohlen.
Am Abend noch der Aufbau und Soundcheck, dann fallen alle erstmal ermattet in die Federn. Vor allem Julian, der von einem dreiwöchigen Kanu-Trip in Kanada einschwebt und dementsprechend gejetlagged ist. Aber auch die Hamburger Fraktion, die sich selbst zum Weingut Stein gefahren hat, sowie Björn, der ebenfalls mit seinen Instrumenten aus Berlin angereist ist, dürfen süß schlafen.

Am kommenden Morgen stelle ich fest, dass sich sämtliche Teilnehmer hervorragend auf die Session vorbereitet haben. Was anderes hatte ich allerdings auch nicht von ihnen erwartet. Erfreulicherweise ist Ulle inzwischen an der Pedal-Steel-Gitarre richtig gut geworden und Anne beherrscht bis auf Saxophon sämtliche, in Woodstock bei den Aufnahmen gespielten Instrumente. Besonders lustig, dass sie sich die Posaune (“The incredibleHulk“) aus “Ich wünsch mir, du wöhrs he“ drauf geschafft hat. Björn spielt nicht nur E-Bass, sondern auch Steh-Bass, was bei vielen der akustischen Songs besser passt.

Wir kommen gut voran, sodass wir uns am Abend das Spiel der Nationalmannschaft gegen die Faröer-Inseln gestatten können. In der Halbzeit platzt die Nachricht, dass heute Nachmittag unsere Lotti im Alter von 83 Jahren gestorben ist. Sie hatte bereits vor meiner Geburt bei meinen Eltern im Haushalt gearbeitet und von mir an sämtliche Kinder im Hause N. mit aufgezogen. Ob es die Söhne meines Bruders waren, oder meine Kinder: Lotti war für alle eine nicht blutsverwandte Tante. In den letzten Monaten hatte sich stark abgebaut und es schien unausweichlich, sie in ein Altersheim einweisen zu müssen, was ihr aber überhaupt nicht recht war. Aber als kinderlose Witwe wäre ihr wohl nichts anderes übrig geblieben, außer “rechtzeitig“ von selbst loszulassen. Sie wollte einfach nicht mehr. Und das ausgerechnet einen Tag bevor “ZUGABE“ erscheint, wo sie auf dem ersten Foto inmitten ihrer Pänzzu sehen ist, denn ich hatte das Buch meiner Familie gewidmet und sie extra deshalb in diesem Kreis fotografieren lassen. Es sollte eine Überraschung für sie werden. Noch in der Nacht beginnen wir fieberhaft den Promo-Scedule dahingehend umzustricken, dass auf ihrer Beerdigung dabei sein kann, mal abgesehen davon, dass Tina und Käthi all das zu erledigen haben, was mit der Organisation der Trauerfeier zusammen hängt.

Am 11. September proben wir noch einmal ganztägig und nach einer gemeinsamen Band & Crew- Spaziergang auf den Aussichtsturm der “Kanonenbahn“ , spielen wir einen kleinen Warm-Up-Gig für Stammkunden und sogenannte “Unheilbare“, die sich auch Chrischis Homepage dafür bewerben konnten.
Zuvor filmt Isis noch drei Strophen von “Vill passiert sickher“, als kleinen Video-Gruß an die Essener Lichtburg, wo ich leider nicht zugegen sein kann, wenn sie am 18. Oktober ihren 80sten Geburtstag feiert. Ausgerechnet an diesem Abend findet in Köln die offizielle Präsentation von “Zugabe“ statt.

Der Warm-Up-Gig im Weingut verläuft ausgesprochen angenehm, ich plaudere ausgiebig aus der Hüfte, und die Verspieler halten sich in Grenzen. Hat Riesenspaß gemacht.
Am nächsten Morgen sind wir bereits um 9:00 auf der Piste, denn um 11:00 werden wir in Köln im WDR-Studio erwartet, wo es für mich einige Interviews gibt, während die Band aufbaut, um im Anschluss vier Songs einzuspielen. Klappt alles wie am Schnürchen. Am Nachmittag erwartet mich dann das Team von “Titel, Themen, Temperamente“ im Römerpark um ein Gespräch aufzuzeichnen (Ausstrahlung am 29.9)

Am Freitagmorgen steige ich mit Tina in den Zug, Ziel ist das Schlosshotel Münchhausen bei Hameln, wohin uns der “Münchener Kreis“ zum Buchkongress eingeladen hat. Zum Abendessen gibt es den sogenannten “Dinnerspeech“, den ich mit Dr. Wolfgang Herles vor lauter Verlagsmenschen und Buchhändlern bestreite. Mal was ganz anderes, hatte aber was. Vor allen Dingen haben wir etliche interessante Leute kennengelernt.

Samstag morgen wieder in den Zug in Richtung Baden Baden. In Mannheim steigen die Toten Hosen zu, denen ich am Abend zum Finale des SWR 3 New Pop Festivals nach meiner Laudatio den “Pioneerof Rock-Award“ überreichen soll. Mach ich natürlich sehr gerne, auch wenn dieser verkappte “Lebenswerk-Award“ mit seinem gestelzten Titel ausschließlich für Heiterkeit sorgt. Campino schlägt vor, ihn in “Pioneerof Lebenswerk“ umzutaufen..
Während meiner Laudatio muss ich feststellen, dass man wegen der Fernsehkameras ausschließlich Teenies vor der Bühne platziert hat. Das soll vermutlich Jugendlichkeit ausstrahlen, bloß mit kleinem Pferdefuß, dass in den vorderen Reihen niemand meinen kleinen geschichtlichen Toten Hosen/Bap-Abriss folgen kann. Als wir uns gegenseitig kennengelernt hatten, lagen diese Kids noch nicht mal in der Quarktheke. Muss schon sagen, dass mich das leicht irritiert hat und hoffe, dass es im Zusammenschnitt nicht allzu sehr auffällt.

Sonntagvormittag besuche ich Frank Lauffenberg um mit ihm eine Sendung für sein Internet-Radio aufzunehmen. Danach von Frankfurt aus mit dem Flieger nach Berlin, wo unsere kleine Crew bereits fürs SAT-1-Frühstücksfernsehen aufgebaut hat, damit wir heute noch Gelegenheit haben drei Songs einzukürzen und überhaupt zu soundchecken. Normalerweise läuft sowas nicht bereits am Vorabend, sondern am Tag der Sendung in Allerhergottsfrühe. Aber da wir Angelika Rahm als “Freundin der Bewegung“ auf unserer Seite haben, wird eine Ausnahme gemacht und somit klingelt der Wecker erst um 5:15 (!) Alles ist generalstabsmäßig vorbereitet, sodass ich es – nach gelungener Performance – schaffe, rechtzeitig den Flug nach Köln zu erwischen, wo unsere Lotti um 12:00 auf dem Südfriedhof beerdigt wird.
Danach kurz nach Hause und mit der Deutschen Bahn weiter nach Saarbrücken, wo die Promotion dann morgen weitergeht. Ziemliches Brett.