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Sonntag, 5.Mai 2013 – Bernried/Berghof-Festival

Nach dem verlorenen Spiel gegen Bochum, das wir noch beim Till gesehen haben, sind wir schon gestern hierher aufgebrochen, um uns hier ein wenig einzugrooven.
Merkwürdigerweise war ich noch nie beim „Gstettenbauer“, obwohl dieser Wild-Berghof ja nun wirklich nicht weit von Metten entfernt ist, wo Tina herstammt. Selbstverständlich kam die Anfrage, ob ich denn hier nicht mal auftreten wolle, auch über diesen familiären Dienstweg, sprich über meine Schwiegermutter. Es handelt sich um eine dreitägige Veranstaltungsreihe, die am Freitag Abend mit einem Konzertpianisten anfing.
Heute präsentieren die „Bayrischen Löwen“ ein Blasmusik-lastiges Comedy-Programm, von dem ich allerdings nur die Hälfte auf Anhieb verstehe. Vielleicht ist das ja die vorgezogene Rache für das, was den Leuten bei meiner Veranstaltung bevorsteht. Hat mir jedenfalls gut gefallen, erinnert mich leicht an die eine Art Stunksitzungs-Beitrag auf bayrisch.

Überrascht bin ich, dass Uwe und Bea aus Hamburg tatsächlich aus Hamburg mit dem Nachtzug angereist sind, um diese vermutlich letzte Lesung des „Für ‚ne Moment“-Programms in dieser exotischen Umgebung, einen real-existierenden Heuschober mitzuerleben, der mich stark an das Innenfoto des Neil Young-Albums „After the Goldrush“ erinnert. Die heutige Veranstaltung findet bereits um 17:00 Uhr statt, weil es für die meisten Besucher Montagmorgen schon in Allerherrgottsfrühe aus den Federn geht, denn man fährt auch hier lange Strecken zum Arbeitsplatz. Der Auftritt beginnt mit einer Panne, vermutlich weil sich ein Fernsehteam des ZDF direkt ins Frontmischpult eingestöpselt hat, und –Shit happens- dadurch sämtliche Soundcheck-Einstellungen getilgt hat. Also noch mal runter von der Bühne, bis der Schaden behoben ist und dann auf ein Neues. Diesmal klappt’s und es entwickelt sich zu einem wirklich ganz besonderen Abschluss dieser Konzert-Lesereise. Werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Nach der letzten Zugabe kommt der Gstettenbauer-Junior persönlich mit einer „Schmankerl-Geschenkbox“ auf die Bühne, um sich bei mir zu bedanken. War tatsächlich eine sehr spezielle Erfahrung, wie aufmerksam die Leute hier mein Programm angenommen haben, schließlich muss man davon ausgehen, dass maximal ein Drittel des Publikums von mir mehr als nur „Verdamp lang her“ kennt und die Songtexte für Niederbayern extrem schwer zu verstehen sind. Trotzdem haben sie sich darauf eingelassen und mit mir einen denkwürdigen Spätnachmittag verlebt. Schon schade, dass es jetzt vorbei ist, könnte das noch monatelang weiter betreiben.
Tage wie diese entschädigen einen übrigens auch für die äußerst unangenehme Erfahrung, sich aus heiterem Himmel plötzlich am Pranger des einundzwanzigsten Jahrhunderts wiederzufinden.

Morgen reisen wir nach Köln zurück, übermorgen werden wir in Düsseldorf unseren langjährigen Freund und Weggefährten, den DPA-Fotografen Achim Scheidemann beerdigen und am Mittwoch geht’s dann, insofern es die Sicherheitslage halbwegs zulässt, in den Ost-Kongo, wo die wirklichen Probleme sind.