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Samstag, 8.September – Montag, 24.September 2012 – Köln – Frankfurt

Die vergangenen zwei Wochen hatte ich mir eigentlich zum Lesen reserviert, denn all die Bücher, die ich heute Vormittag mit meinem Freund Gert Scobel bei der Aufzeichnung seiner 3sat-Sendung bespreche, sollte ich ja wenigstens mal gelesen haben. Schon während meines Familienurlaubs in der Türkei habe ich im wesentlichen gelesen und dabei gemerkt, dass ich anders lesen muss, wenn ich diesbezüglich irgendwann mal Rede und Antwort stehen soll. Gegen Ende dieser Frist komme ich sogar leicht ins Schleudern, denn die Organisation der Arsch huh-Veranstaltung und die Vorbereitung für den Weltkindertag lässt mich genaugenommen erst jeweils ab 16.00 Uhr dazu kommen, mich mit Büchern zu befassen und mich vor allem darauf tatsächlich zu konzentrieren. Aber es hat sich gelohnt, dass ich mich vor allem in Alexis Jennis Roman „Die französische Kunst des Krieges“ reingekniet und nicht locker gelassen habe. Auch Neil Youngs Autobiografie lohnt sich, allerdings ist das nichts für Leute, die außer „Heart of gold“ keine Ahnung haben. Eigentlich Kerouac-mäßig geschrieben, von Hölzchen auf Stöckchen kommend, wünscht man sich, man könnte sich mit seinem musikalischen Gesamtwerk auf die Insel verziehen, um alles Erwähnte nochmal ausführlich Revue passieren zu lassen. Ungeheuer nahbar und demütig geschrieben. Des weiteren reden wir noch über Bodo Kirchhoffs „Die Liebe in groben Zügen“, die Autobiografie der liberianischen Aktivistin Leyman Gbowee, einen Gesprächsband mit dem britischen Maler David Hockney und einen Fotoausstellungskatalog zum Thema Afrika.
Sind bereits gestern nach Frankfurt gefahren, nachdem der Weltkindertag für Didi und mich beendet war. Mit einer Kleinstbesetzung der BigBand hatte ich zur WDR-Kinderrechtepreisverleihung drei Songs (Gulu / Wie schön dat wöhr / Arsch huh) gespielt und die Laudatio für den ersten Preis verlesen. Dieser ging an die Bonner Andheri-Hilfe, die sich seit den 90ern in Indien gegen die Abtreibung weiblicher Föten einsetzt. Diese Initiative hatte es mir von Anfang an sehr angetan und übrigens auch der Kinderjury, mit der ich mir völlig einig war, dass die Andheri-Hilfe den ersten Preis bekommen sollte. Eine Initiative, für die wir extra einen Sonderpreis beschließen mussten, wäre ohne die Kinderjury vermutlich unbemerkt geblieben: Hierbei handelt es sich um ein Projekt der Düsseldorfer Montessori-Hauptschule namens „Schokofair – Stoppt Kinderarbeit“. Nun ist Kinderarbeit ja nicht wirklich das Nr. 1-Problem in Afrika, aber ich finde es großartig, dass die Kids da von selbst drauf gekommen sind und reiße mich dieses Mal mit meiner Kindersoldaten-Thematik ausnahmsweise mal am Riemen. Wer weiß: Vielleicht wird ja der eine oder andere von selbst darauf kommen, politische Fragen zu stellen, wenn er weiter an diesem Faden zieht, den er im Schlamm entdeckt hat. Außerdem ist es sowieso Unfug, ständig Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Und Prioritätenlisten führen in den meisten Fällen sowieso ja nur dazu, dass sich die schweigende Mehrheit mit dem Argument „ ... da kann man ja eh’ nichts dran ändern ...“ aus der Affäre zieht.