Niedeckens BAP - Startseite

Kampala -London

British Airways Flug Kampala-London

Während Manfreds Schweizer Fotograf Gaudenz und Steffen, der Chef der für die Jack-Wolfskin-Kataloge zuständigen Agentur „Intention“ mit detaillierten Fotoshootings in und um Jinga herum beschäftigt sind (drei weitere Models sind zu diesem Zweck eingeflogen), wird uns klar, dass für uns beide so langsam die Luft aus dieser Reise raus ist. Völlig klar, wenn man mit Nord-Uganda und den teilweise niederschmetternden Eindrücken anfängt, sich als nächstes in den Dschungel begibt, dann ist es wohl nur normal, sich nach drei Tagen in dieser komfortablen Kingfisher-Lodge leicht überflüssig vorzukommen.

Immerhin haben wir von hier ortansässigen Europäern noch einiges zum Thema „Bürgerkriegsregion Norduganda“ dazugelernt, wenn auch nichts besonders Aufbauendes. Wie bereits die von Telefongesellschaften, Bierfirmen, Handyherstellern etc. kostenlos rot, gelb oder blau gestrichenen Fassaden vermuten lassen, gilt besonders Gulu, trotz der immer noch überfüllten Flüchtlingslager, inzwischen als Boomtown. Wo beispielsweise die Crane Bank eines ihrer protzigen Gebäude errichtet, ist der Bürgerkrieg mit ziemlicher Sicherheit zu Ende, wogegen an sich ja nichts einzuwenden ist. Bloß ist es anscheinend ein offenes Geheimnis, dass in den vergangenen Jahren zunehmend Spekulanten der vertriebenen Landbevölkerung ihr „wertloses“ Land abgekauft hat, unter ihnen vermutlich auch jene Militärs, die den Sold für die nie dort oben eingesetzten „Geistersoldaten“ auf ihre eigenen Konten umleiten.
Uns wird ernüchternder Weise immer klarer, weshalb diese Gemetzel über zwei Jahrzehnte dermaßen lasch bekämpft stattfinden konnte. Es handelt sich um eine Mischung aus Desinteresse und Profitgier, mal ganz abgesehen davon, dass Musseveni seinen überdimensionalen Militärhaushalt gegenüber der UN immer schön mit dem Ausnahmezustand entschuldigen konnte.

Okay, Donnerstags, an Manfreds Geburtstag noch mal in die Stadt, für die wir ja am Tag zuvor zuwenig Zeit eingeplant hatten. Definitiv untouristisch der Busbahnhof und er Markt, mit all seinen kuriosen Gerüchen und Angeboten, vom Wohnzimmersessel bis zum Voodoobedarf.

Weitaus mehr auf Touristen zugeschnitten dann allerdings der Teil der Hauptstraße, den wir uns gestern aus Zeitgründen versagen mussten. Ein Souvenirshop neben dem anderen, alle mit dem gleichen Angebot, was mich an die Episode mit den abgeschlagenen Sphinx-Nasen in „Asterix und Cleopatra“ denken lässt. Nichtsdestotrotz noch einmal ein entspannter Tag mit reichlich Eindrücken, vor allem was die immer wieder rüde ausgebesserte Architektur indischer Gebäude betrifft, deren ehemalige wohlhabende Besitzer ja nach Idi Amins Machtübernahme aus dem Land vertrieben wurden und erst von Musseveni die Erlaubnis bekamen, wieder nach Uganda zurückzukehren.

Damit ist es aber dann auch gut. Wir schaffen es unter Verzicht auf zwei weitere Touri-Tage auf den Samstag-Morgen-Flug der British Airways nach London umzubuchen und der Zufall will es, dass ich sogar noch in der Library der Kingfisher-Lodge meinen Chung Rae-Lee-Roman gegen T.C. Boyles „World End“ eintauschen kann. Für Reiselektüre ist also gesorgt.

Rückfahrt nach Entebbe, weitere kurze Nacht im „Botanical Gardens“ in Flughafennähe, ein grausam früher Wake-up-Call und ab geht’s. Wenn alles glatt geht, landen wir nach einem Zwischenaufenthalt in London um 21.50 Uhr in Köln, eventuell gerade noch rechtzeitig, um einen verstohlenen Blick auf die Ergebnisse des Bundesliga-Spieltags im ZDF-Sportstudio zu wagen. Auch diesbezüglich macht sich leichter Entzug bemerkbar.