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Kampala -Uganda

Hotel Equatoria

Der einzige Programmpunkt vor unserem Rückflug nach Entebbe ist die Vorproduktion einer weiteren einstündigen Talkshow für Radio Mega FM. Für 9:00 Uhr ist das Interview anberaumt, natürlich verzögert sich wieder einmal alles, weil irgendwelche Gerätschaften ihren Geist aufgegeben haben. Überhaupt steckt diesmal in der Technik der Wurm. Weder hat es innerhalb von drei Tagen irgendwer geschafft, die „Noh Gulu“-Liveversion für alle Interessenten, wie Journalisten und Radiostationen, zu brennen, noch liegen irgendwelche mitnehmbaren Resultate in Sachen Kinderchor vor.

Endlich, mitten im improvisierten Radio Mega FM – Interview (ein Walkman mit Aufnahmetaste hilft uns aus der Klemme), erscheint Vincent’ Kollege, der schon im Mai den eigentlichen Job gemacht hatte, und verspricht, dass er uns den neu aufzunehmenden Chor auf dem Postweg nach Köln schicken werde. Vorauszahlung lehnt er ab, das stimmt mich zuversichtlich.

Danach bleibt gerade noch die Zeit, mit Mirco noch einmal bei Kilama vorbei zu gehen und uns von ihm seine Geschichte in die Kamera erzählen zu lassen. Er ist neunzehn, seinen Vater hat er nie kennengelernt, weil der, als Kilamas Mutter mit ihm schwanger war, von Rebellen ermordet wurde. Sein großer Bruder, der ein kleines Bekleidungsgeschäft mitten in Gulu betreibt, hat sich ab da um die Familie gekümmert, sogar die Schulgebühren hat er für Kilama aufgebracht. Inzwischen arbeitet dieser, wenn er nicht zur Schule geht, im Laden seines Bruders, in dem ich mittlerweile zu den Stammkunden gehöre. Netter, intelligenter Kerl, spricht sehr gut Englisch und wenn er am Ball bleibt, stehen die Chancen, dass er einmal ein Ingenieur sein wird, nicht schlecht.

Noch ein kleine Shopping-Runde, schließlich müssen Mitbringsel erworben werden und schon sitzen wir wieder in dem mittlerweile vertrauten Propellerflieger nach Entebbe. Einchecken im Equatoria, Duschen und Durchstarten zu einem kleinen Stehempfang, zu dem World Vision in ein koreanisches Restaurant einlädt.

Einige interessante Gespräche mit den verschiedensten Fachleuten, u.a. über die jüngsten Ölfunde am und im Lake Albert, die zu Grenzkonflikten mit dem Kongo führen könnten. Man darf gespannt sein, denn da der Grenzverlauf vor allem im See nicht eindeutig definiert ist und auf der kongolesischen Seite so gut wie keine Straßen durch die unendlichen Regenwälder führen, gehen die Befürchtungen so weit, die „Lord’s Resistance Army“ habe durch diese Situation neue Geldgeber gefunden. Leider nicht allzu weit hergeholt, schließlich ist die Gegend um Bunja die, in die sich Joseph Kony mit dem größten Teil seiner „Befreiungsbewegung des Herrn“ zurückgezogen hat und wie so viele andere Söldnerhaufen von den örtlichen Potentaten gegen „kleinere Gefallen“ geduldet wird. Vor zwei Wochen wurde bereits ein Ingenieur einer britischen Ölbohrfirma bei einem Überfall auf eine Seeinsel ermordet und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die kongolesischen Ölförderer mangels Transportmöglichkeiten dermaßen im Nachteil gegenüber Uganda sehen, dass Verzögerungstaktiken jeglicher Art zu befürchten sind.

Keine Ahnung, ob der im November in Kampala stattfindende Commonwealth-Gipfel diesbezüglich Anlass zur Hoffnung gibt, das einzige, was zu diesem Thema wiederum offensichtlich ist, ist das fieberhafte Bemühen, Kampalas Kreisverkehre und Straßenböschungen für die dann auch einfliegende Queen zu verschönern. Jedenfalls was die Strecke vom Flughafen bis in die Stadt betrifft.

Die Schürfrechte für das Lake-Albert-Öl sind, wie ich dem „Daily Monitor“, der einzigen kritischen Tageszeitung entnehme, bereits an eine irische und ein kanadische Ölfirma vergeben worden. Bleibt zu hoffen, für einen fairen Preis, nach eingehender Beratung durch Leute wie meinen Freund Prof. Dr. Peter Eigen, der Botswana dereinst in Sachen Diamanten optimale Konditionen verhandelt hat.