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Gulu, Uganda, Acholi Inn

Sieben Uhr aufstehen, frühstücken und Abfahrt nach Pabo, einem riesigen Flüchtlingslager siebzig Kilometer vor der Grenze zum Sudan, wo heute Christines Theatergruppe auftreten wird. Da wir – in preußischer Form – die einzigen sind, die zur verabredeten Zeit vor Ort ankommen, sind wir halt drei Stunden zu pünktlich. Der alte Spruch, nach dem Gott dem weißen Mann die Uhr geschenkt hat und dem schwarzen Mann die Zeit, bewahrheitet sich ein weiteres Mal. Egal, so haben wir wenigstens genug Zeit, uns das Camp anzusehen.

Die hiesigen Offiziellen, die uns rund führen, sind unverkrampft unterwegs und zeigen uns sogar „Little Bagdad“, die sündige Meile des Camps, wo Alkohol und Prostitution regieren. Erneut der kollektive Seufzer, der zum Ausdruck bringt, wie viel besser es um Afrika bestellt wäre, wenn die Frauen hier das Heft in die Hand nähmen. Viele Kerle kriegen den Umbruch alter Traditionen – letztlich die Folgen der Globalisierung – einfach nicht auf die Reihe und betäuben ihre Ratlosigkeit, ihre Frustration, während der Löwenanteil der täglich anstehenden Arbeit bei ihren Frauen hängen bleibt. Klar darf man das nicht verallgemeinern, aber es kann kein Zufall sein, dass ich seit Jahren Unmengen starker afrikanischer Frauen kennen lerne und die Anzahl verzweifelter, aus der Spur geratener schwarzer Machos immer unübersehbarer wird.

Für die obligatorischen Chor- und Tanzdarbietungen diverser Lagerclubs bedanke ich mich heute mit der Uraufführung von „Noh Gulu“, nachdem Christine die Acholi-Übersetzung des Textes verlesen hat. Vom darauf folgenden Theaterstück ihrer Gruppe verstehen wir zwar kein Wort, aber es scheint die Menschen hier optimal zu erreichen. Es wird gelacht und geklatscht, dass es einem um den arg ramponierten, baufälligen Pavillon Angst und Bange wird.

Eine Stunde zu spät erreichen wir wieder Gulu, wo wir in Roberts Studio den vorläufigen Mix des Gulu-Songs abholen. Er hat die Kinderstimmen so gut es ging in den Refrain eingepasst und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen, weshalb wir den Mix dann auch direkt zur einstündigen Talkshow des Radiosenders „Mega-FM“, dem größten im Bürgerkriegsgebiet, mitnehmen.