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19.02.2018
Vielen Dank an alle, die diesen wunderbaren Abend möglich gemacht haben. Angefangen bei unserer Eva Martin (WorldVision) über die Moderatorin Ulrike von der Groeben, die Talkgäste Simone Schlindwein (Journalistin von der TAZ) , Georg Schmidt (Afrikabeauftragter vom Auswärtigen Amt) und Ekkehard Forberg (Referent für Friedens- und Konfliktforschung). Und natürlich bedanke ich mich bei meinen Musikerfreunden Martin Kälberer, Thorsten Wingenfelder und Heiner Wiberny. Schade war es, dass Rhani Krija (Official) krankheitsbedingt absagen musste und dass mein langjähriger Freund, unser Aussenminister Sigmar Gabriel vor lauter Schneetreiben nicht rechtzeitig aus München von der Sicherheitskonferenz loskam, um seine Laudatio für den „Kindheitsretterpreis 2018“ selbst zu halten. Den Job übernahm dann notgedrungen Christoph Waffenschmidt, der Chef von World Vision, in dem er Sigmar G.`s Lobrede vorlas, für die ich mich ganz herzlich bedanke. (Wer sie in Gänze nochmal nachlesen will, s.u.) Es war mir ein Fest.#BAP Lieber Wolfgang, vielleicht hat dein Blick auf dem Weg hierher die Trommel mit dem braun-weißen Kuhfell gestreift – die Trommel, die als Souvenir aus Gulu dich jetzt schon seit mehr als zehn Jahren an die Kinder in Uganda erinnert, die damals in Gulu Zuflucht gefunden haben. Vielleicht musstest du auch an Jimmy und Rebekka denken, die jede Nacht sieben Kilometer barfuß oder mit Flipflops laufen, um an einem sicheren Ort zu schlafen. Sicher vor den Schärgen der Milizen, vor der Lord’s Resistance Army von Joseph Kony. Jimmy und Rebekka, wie du sie in deinem ergreifenden „Noh Gulu“ Song genannt hast, sind heute längst erwachsen, dieser Konflikt ist glücklicherweise seit Jahren beendet – viele andere auf dem afrikanischen Kontinent aber leider nicht. Daher ist dein Engagement für Kinder, die als Soldaten in mörderischen Konflikten beteiligt sind, immer noch so wichtig wie zuvor. Bei unserer gemeinsamen Reise nach Uganda und Südsudan im letzten Jahr trafen wir ehemalige Kindersoldaten. Es waren nicht Jimmy und Rebekka, sondern Margaret und Alfred. Sie haben uns erzählt, wie es ihnen dank der Hilfe von Rebound gelungen ist, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Wie sie ihre zweite Chance nutzen konnten. Und wie sehr sie doch immer noch durch ihre Geschichte gezeichnet sind. Denn wer so jung schon so brutal missbraucht wurde – körperlich, seelisch, psychisch - der ist ein Leben lang gezeichnet. Anfang der Woche haben wir mit dem „Red Hand Day“, dem internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, weltweit an die Kinder und Jugendlichen gedacht, deren Rechte in Kriegen und Konflikten brutal verletzt werden. Parallel dazu erreichte uns die Nachricht, dass im Südsudan 300 Kindersoldatinnen und -soldaten von den Milizen entlassen wurden. Auch diese jungen Menschen begleitet World Vision zurück ins Leben. Ein Hoffnungsschimmer, aber auch nicht mehr - denn noch immer kämpfen laut Unicef Tausende von Kinder auf beiden Seiten in diesem brutalen Bürgerkrieg im jüngsten Staat Afrikas. Bei unserem gemeinsamen Besuch im August haben wir Salva Kiir, den Präsidenten von Südsudan auf die Kindersoldaten angesprochen. Er zeigte sich durchaus offen für unsere Sorgen, auch wenn er abstritt, dass es auf Seiten der Regierung Kindersoldaten gebe. Nur ein Ende des Bürgerkriegs in Südsudan kann ein Ende der Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen bringen. Der letzte Waffenstillstand von Weihnachten ist brüchig – aber ein Aufgeben kann es nicht geben. Es sind afrikanische Regionalorganisationen, die die Verhandlungen immer wieder aufnehmen, wie jetzt gerade in Addis Abeba. Wir unterstützen sie dabei. Das ist mühsame Millimeterarbeit – aber auch damit kann man Leben retten. Lieber Wolfgang, die Hoffnung nicht aufgeben: dafür steht dein Projekt Rebound. Kindern und Jugendlichen eine zweite Chance geben, nachdem ihnen die erste genommen wurde. Heute bist du vor allem im Ostkongo engagiert. Auch das leider ein Ort, an dem es uns schwer fällt, die Hoffnung zu behalten. Aber wir haben keine andere Wahl – und ich bin dir unendlich dankbar, dass du mit deiner ungeheuren Energie hier unermüdlich tätig bist. Denn jedes Kind zählt. Jede einzelne Jugendliche, die den Weg zurück in ein halbwegs normales Leben findet, zählt – denn sie wird den Teufelskreis aus Gewalt durchbrechen. Die Kasai-Krise hat neue Milizen hervorgebracht und damit auch neue Kindersoldaten generiert. Dein Engagement ist daher wichtiger denn je. Im Kongo ist die Situation eher noch schwieriger geworden. Wenn Polizei und Militär sogar auf Menschen bei Gottesdiensten schießen, kann es kein „Business as Usual“ geben. Deutschland zeigt hier im Rahmen der EU klare Kante und hat Verantwortliche mit Sanktionen belegt. Die nächsten Monate werden entscheiden, ob es überhaupt eine Bereitschaft gibt, durch Wahlen einen Machtwechsel zuzulassen. Lieber Wolfgang, Mit deinem Engagement bei der „Band für Afrika“ und dem mit Herbert Grönemeyer gemeinsam geschriebenen Lied „Nackt im Wind“, hast du vor mehr als 30 Jahren ganz entscheidend dazu beigetragen, unseren Blick auf Afrika zu richten. Viel früher und viel tiefer als die Politiker haben damals die Künstlerinnen und Künstler mit der „Band für Afrika“ begriffen, dass unsere Verantwortung als Deutsche weit hinaus geht über unser eigenes Land und Europa. Dass wir Verantwortung tragen, mit anpacken müssen gerade in den Ländern, die durch Krieg und Not gezeichnet sind. Die, und das soll auch einmal klar gesagt sind, gerade auch deswegen innerlich so zerrissen sind, weil wir Europäer den Kolonialismus in sie hinein getragen haben, Und, auch das gehört leider zur Realität, in denen die Eliten oft nahtlos in die plündernden Fußstapfen der Kolonialherren getreten sind. Lieber Wolfgang, bei unserer gemeinsamen Reise im letzten Jahr haben wir viel gesprochen über das, was du auf deiner ersten Reise 2004 erlebt hast, was dich angetrieben hat, sich zu engagieren und was daraus heute geworden ist. Ich war froh und stolz darüber, dass du mich mitgenommen hast auf DEINE Reise nach Afrika. Und ich darf das einmal so sagen: ich habe viel von dir gelernt. Wie ich überhaupt glaube, dass Politiker von Künstlern viel lernen können. Weil sie uns anders und anderes hören, sehen und fühlen lassen. Und auch dafür danken wir Dir heute ganz besonders! Lassen Sie mich eine kleine Erfolgsgeschichte erzählen, die auch Sie motivieren soll, in Ihren Anstrengungen und vor allem in Ihrer Unterstützung für Projekte wie das von Wolfgang nicht nachzulassen: Im vergangenen Sommer haben Wolfgang und ich in Berlin gemeinsam mit Eric Wainaina, einem großartigen Musiker aus Kenia, dafür geworben, dass sich die deutsche Politik in Afrika noch stärker als bisher für Kultur und Bildung engagiert. Das hat Wirkung gehabt. Natürlich war es nicht nur diese Begegnung – aber, und das habe ich sehr oft gehört: dass ein Künstler und ein Politiker sich zusammen tun und gemeinsam streiten, das hat viele andere beeindruckt und nachdenklich werden lassen. Und wenn Sie heute in den neuen Koalitionsvertrag schauen, dann taucht dort sowohl die Notwendigkeit auf, mehr in Afrika zu tun als auch anders und besser dort zu handeln als bisher. Und das heißt zum Beispiel: Dass wir uns noch aktiver und gemeinsam mit Afrikanerinnen und Afrikanern über den Kolonialismus und seine gegenwärtigen Folgen auseinandersetzen. Dass wir uns mehr engagieren für Kultur und Bildung als Beitrag zum Aufbau einer gerechten und selbstbewussten Gesellschaft. Das schulden wir uns, das schulden wir unserer Vergangenheit in Afrika und das schulden wir einer gemeinsamen Zukunft, die wir aufbauen wollen! Lieber Wolfgang, du hast in den letzten zehn Jahren Hunderte von Kinderleben gerettet. Ohne viel Aufhebens. Sondern mit Beharrlichkeit, Leidenschaft und Kraft. Du bist ein Kindheitsretter – und ich freue mich, dass dein Engagement heute Abend mit dem ersten Kindheitsretterpreis ausgezeichnet wird. Herzlichen Dank und vor allem Herzlichen Glückwunsch!

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