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Stuttgart - Liederhalle

Die Fahrtstrecke hält sich heute mal in Grenzen. Wir kommen so früh an der Liederhalle an, dass ich vor dem Soundcheck noch zwei Stündchen mit „Geheimrat“ Oliver durch seine Heimatstadt streunen kann. Erste Übung: Uhrengeschäft Wempe, denn zu Weihnachten „überrascht“ mich Frau N. mit einer Nomos-Uhr ohne jeglichen Firlefanz, und um diesbezüglich sicher zu gehen, übernehme ich die Auswahl mal besser selbst.

Danach zum Buchhaus Wittwer, den von Oliver dringend empfohlenen Wolfgang Koeppen-Roman „Das Treibhaus“ zu erstehen. Koeppen hatte diesen in der Nachkriegszeit in einem Bunkerhotel unter dem Stuttgarter Marktplatz geschrieben. Es wird einfach langsam mal Zeit, dass ich ihn lese.

Und dann ist seit heute eine CD von Neil Youngs erstem Solo-Gig in Canterbury House/Ann Arbor, Michigan, aus dem Jahr 1968 auf dem Markt gekommen, die muss natürlich auch her. Danach noch eine halbe Stunde in ein Cafe und dann zum Soundcheck.

Nehmen uns „Souvenirs“ noch mal vor, um ein bisschen Routine in den Song zu kriegen und nehmen in spontan auf Anraten des „Geheimrats“ anstatt „Alexandra“ auf die Setliste. „Et ess, wie et ess“ wird leicht gekürzt und der neue Anfang von „Aff un zo“ noch mal aufgefrischt, weil gestern keiner Jürgens Anzähler gehört hatte.

Die Show selbst startet dann in bisher nicht gekannter Form, schon beim ersten Song sind alle Hände oben und das bleibt dann auch so bis zur ersten Ansage vor „Songs sinn Dräume“. Im Vergleich zum Tourstart in Saarbrücken tatsächlich noch mal eine Steigerung, was erfreulicherweise den ganzen Abend über durchhält. Allein bei „Souvernirs“ haben wir noch Soundprobleme, was natürlich dumm ist, denn gerade dieser Song sollte ja einmal eine völlig andere Klangfarbe ins Programm bringen. Müssen wir übermorgen noch mal ran.

Die endgültige Position für „Gulu“ wird schließlich heute Abend auch gefunden, nämlich nach der Bandvorstellung, als erstes Stück der „Sitzgruppe“. Da fühlt sich die todernste Anmoderation am organischsten an und der Übergang zu „Bahnhofskino“ ist so, als wäre da nie etwas anderes gewesen.
Micha spielt jetzt – dem Text entsprechend – mehr Klavier bei „Millione Meile“, was mir sehr gut gefällt. Der Song ist jetzt endgültig da angekommen, wo ich ihn mir gewünscht hatte.

Millione Meile

Die Hotelbar he ess voll Vertreter,
dä Pianist spillt vüür sich hin, vüür wämm och sons ?
Hührt suwiesu kein Sau zo, nur dä Barkeeper.
Wie Mosaikstein kennt‘e jede Ton.

Dä nevve dir fängk ahn zo schwaade,
met jedem Schluck taut‘e mieh op.
Nä echt , dä Typ kennt kei‘ Erbarme.
He mußte russ, dir platz dä Kopp.

Millione Meile weg vun ihr,
Leechjohre zwesche dir un ihr,
Smalltalk, un e`verstemmp Klavier.

Och drusse op dä Landungsbröck,
peschschwazze Naach vüür dir,
föhls du dich su wie drinne ahn der Thek,
dä selve Blues, et selve ärme Dier.

Dat springk üch ahn, dich un dä Pianist,
als wöhr et ne Vampir.
Ihm fählt `ne Drummer un e`Publikum
un sie fählt dir.

Die Bar ess leer, Leech ahn de Stöhl huh.
Dä Pianist ess durch, dä Keeper och.
En letzte Kipp, du waats op nix mieh.
Für hück, op jede Fall, hässte jenooch.

Millione Meile weg vun ihr,
Leechjohre zwesche dir un ihr,
Smalltalk, un e`verstemmp Klavier.
Smalltalk un lauwärm Bier

Auch heute Uraufführung: Das Publikum singt zum ersten Mal auf dieser Tour den Refrain von „Wie ne blaue Ballon“ weiter, nachdem wir uns in den Selbstfade begeben haben und im Begriff sind uns im Dunkeln davon zu schleichen. So wollen wir das jetzt immer haben, weitersagen!