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Sonntag, 11.September 2011 – Kigali / Goma (DRC)

Da wir erst um 12:00 Uhr abgeholt werden, beschließen wir das Top Tower Hotel mit seinem seelenlosen Plastikblumen-Charme gegen ein Frühstück im von einem deutschen Afrika-Abenteurer betriebene Supermarkt und Restaurant „La Galette“ zu tauschen. Prompt laufen wir Dr. Jahn in die Arme, immer noch der einzige Kinderchirurg in ganz Ruanda, dem vermutlich größten Idealisten, der mir in meinem Leben über den Weg laufen wird. Große Freude, wir verabreden uns für den kommenden Freitag nach unserer Rückkehr aus dem Kongo an gleicher Stelle. Es folgt die obligatorische vierstündige Fahrt im Kleinbus, der Grenzübertritt von Gisenyi nach Goma und unmittelbar nach dem Einchecken im ebenso obligatorischen Ihusi-Hotel das filmreife Sicherheitsbriefing durch zwei überaus kompetente Mitarbeiter der hiesigen World Vision-Niederlassung. Jabs und Funny könnten die Helden einer Vorabend-Serie sein. Ein eher schmächtiger Checker mit seinem finster dreinblickenden, aber lammfrommen Assistenten. Anhand von umfangreichem Kartenmaterial erklärt uns Jabs die aktuelle Situation zwischen Goma und Bunja. Erst vergangene Woche sei zwischen Butembo und Lubero am helllichten Tage ein Auto mit lokalen Entwicklungshelfern angehalten und entführt worden. Die Lage sei vor den Wahlen im November angespannt und außerdem mache in letzter Zeit eine, sich offensichtlich nach Idi Amin zurücksehnende Rebellengruppe immer öfter auf sich aufmerksam. Zum Abschluss des Security-Briefings fotografierte uns Jabs alle einzeln vor weißer Wand, damit die „staatlichen Sicherheitsorgane“ im Ernstfall wissen, nach wem sie suchen sollen. Weil es offensichtlich wenig ratsam ist, sich aus dem bewachten, stacheldrahtumzäumten Hotelgelände hinaus zu bewegen, essen wir im Ihushi zu Abend. Jürgen Z. ruft an und verrät mir, dass der FC zuhause 1:2 gegen Nürnberg verloren hat. Hard Times in Goma.