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Sao Polo (Brasilien), Int. Airport

Bevor wir aus diesem Nationalpark „Torres del Paine“ rauskommen, wird es überraschender weise noch mal schnell offiziell. Der Grund dafür ist eine einzuweihende neue Brücke über den Gray River, wofür natürlich die chilenische Staatspräsidentin per Helikopter einschwebt. Somit entsteht eine wohl ziemlich einzigartige Situation, nämlich die eines Staus in einem Naturschutzgebiet, bei dem Lamas und Nandus die Zaungäste sind.
An der Grenze stellen wir fest, dass wir beim Spritvorrat geschludert haben, haben aber noch mal Glück, denn in dieser One-Horse-Town gibt es doch tatsächlich eine Tankstelle. Und was für eine! Bestehend aus drei Büdchen (für alle verschiedenen Spritsorten eins), aus denen dann der jeweilige Schlauch durch eine Luke gereicht wird. Schade, dass die Signora Tankwart so schlecht gelaunt ist, aber verstehen kann man das ja schon, wie sich das für sie anfühlen muss, wenn sämtliche Touristen, die sich hierher verirren, einen ähnlichen Fotostunt wie wir hinlegen. Genaugenommen gehört dieses Ensemble jedenfalls in ein Technikmuseum.

Ein weiteres Mal Glück haben wir, als wir wieder auf die legendäre Ruta 40 stoßen, denn zum aller ersten Mal steht für uns da live und in Farbe ein Ruta-40- Straßenschild, noch nirgends haben wir bisher eins gesehen. Vermute, dass die meisten der Sammelleidenschaft diverser Traveller erlegen sind, was ich allerdings daneben finde, schließlich ist es überhaupt kein Kunststück sich in dieser Einsamkeit in aller Ruhe mit dem Schraubenzieher darüber her zu machen. Dieses hier steht vermutlich auch nur deshalb noch, weil sich gegenüber eine Art Straßenpräfektur befindet. Gegen fünf erreichen wir Calafate, checken im Hotel ein, telefonieren mal mit zuhause, der Rest ist Power-Shopping, Part One. Dafür ist Calafate prächtig geeignet, ansonsten wäre eine weitere Nacht im chilenischen Nationalpark wohl die bessere Wahl gewesen. Aber da man ja nicht in Stress geraten will, schließlich weiß ja keiner, welche Brücken o.ä. unterwegs noch dringend eingeweiht werden müssen und zu nicht kalkulierbaren Aufenthalten führen.
Am Mittwoch dürfen wir wenigstens ein Zimmer noch bis zum frühen Nachmittag behalten, da wir erst um 18 Uhr zum Flughafen müssen. Dämlicherweise verzögert sich dann auch der Rückflug nach Buenos Aires erneut, so dass wir anstatt um 20:30 erst kurz vor 3 Uhr morgens landen und der Sandmann dementsprechend erst um 4 Uhr seinen Job erledigen kann. Als ich gegen 10:30 aufwache, draußen ein ungewohntes Bild: es regnet in Buenos Aires...und wie.

Also dann noch mal die Regenjacke aus dem Rucksack und Aufbruch zu Power-Shopping, Part Two, unter erschwerten Bedingungen. Die im Reiseführer promotete Fußgängerunterführung am Platz der Republik, in der sich ein Paradies für Antiquitäten- und Trödelfreaks befinden soll ist schon mal – buchstäblich – ein Schlag ins Wasser. Von da aus nehmen wir uns ein Taxi in die Bahnhofsgegend (onze), wo wir Severin ein paar Fußballschuhe („sind da unfassbar billig“) mitbringen sollen. Es schüttet weiter wie aus Kannen, also aus diesem Stadtteil, für den wir uns bei besserem Wetter locker einen Tag genommen hätten, wieder raus, mit dem Taxi nach La Boca, wo es auch ein paar Sachen gab, die wir nicht unbedingt durch Patagonien schleppen wollten.

Hier hört der Regen gegen 18 Uhr dann endlich mal auf und wir gestatten uns das Vergügen, mit dem Bus zurück zum Plaza de Mayo zu unserem zu Hotel fahren. Ein preiswertes Vergnügen, nur 80 Centavos, umgerechnet keine 30 Cent und man kriegt wirklich was zu sehen, sofern man hart im Nehmen ist und sich mit dem Fahrstil des Busfahrers anfreunden kann. Abends noch mal zum „Grappa-Mann“, einem überaus netten Wirt, der uns vor zwei Wochen „aufs Haus“ zum Abschied zwei Wassergläser Grappa eingeschüttet hatte, nach denen ich unsere eher homöopatische Huldigungszeremonie wohl noch mal unter dem Aspekt „Warmduschertum“ überdenken muss....
In seinem Lokal, dem „Casa de Esteban de Luca“ auf der Defensa Nr.1000 in San Telmo tafeln wir noch einmal, lassen unseren insgesamt 3300 Kilometer-Trip durch die Provinz Santa Cruz und das angrenzende Chile angemessen Revue passieren und schon liegen wir zur vorerst letzten argentinischen Nachtruhe gebettet wieder im Nogaro.

Inzwischen sind wir nach einem Morgen mit reichlich Café con Leche und dann doch zweifachem Lederjackenerwerb auf dem internationalen Flughafen von Sao Paolo/Brasilien zwischengelandet, wo keine 200 Meter Luftlinie von uns entfernt soeben George W. Bush mit reichlich Hofstaat zur Airforce One chauffiert wird. Er befindet sich, wie wir aus einer an Bord gebrachten brasilianischen Tageszeitung erfahren, auf einer Art Südamerika-Tournee, die wohl offensichtlich von reichlich amerika-kritischen Demonstrationen überschattet wird. In dem Zusammenhang machen auch die Plakate, mit denen seit gestern der venezuelanische Präsident Hugo Chavez in Buenos Aires empfangen wird, Sinn. Hugo Chavez wird heute Abend – genaugenommen jeden Moment – in Buenos Aires in einem Fußballstadion vor zigtausenden Argentiniern sprechen und man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass Bush dabei nicht gut wegkommen wird.

Eben bei der Landung erblickte ich doch die „Bundesrepublik Deutschland“, mit der ich im Januar nach Ghana geflogen war, geparkt auf einem etwas abgelegenen Teil des Airports. Des Rätsels Lösung: Auch der Bundespräsident befindet sich auf Südamerika-Reise (Paraguay, Kolumbien und Brasilien). Es ist 19:00 Ortszeit und in zwanzig Minuten fliegen wir weiter und werden morgen früh gegen 10 Uhr hoffentlich pünktlich in Frankfurt landen. Habe eben zu Manfred gesagt, dass ich mich jetzt am liebsten für 4 Wochen nach Kronenburg verziehen würde, um Texte zu schreiben. Hat sich reichlich was an Ideen angesammelt, hoffe die werden mir nicht scheel, während ich wie geplant mit meinem Chronicles-Programm weiter durch die Lande ziehe. Aber am Montag fliege ich erst mal nach München, um ein wenig Presserummel für die dortige Veranstaltung zu machen.