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Santorini, Sunny Villas

Gestern Vormittag hier eingetroffen, die Nacht vor dem Abflug in Düsseldorfer Sheraton des Flughafens verbracht. Andererseits wäre mein Schönheitsschlaf in Köln eindeutig zu kurz gekommen.
Da nicht so richtig klar war, ab wann ich tatsächlich Zeit für einen zusammenhängenden Familienurlaub haben würde, hatten wir unser Haus auf Naxos und die Flüge für die Mädels am 29.Juni gebucht und schließlich für mich keinen Platz mehr im Flieger bekommen. Somit fliege ich also vor und leiste mir einen kleinen Zwischenaufenthalt auf der Vulkaninsel Santorini, von der ich schon so viel gehört habe. Ein paar Tage ohne irgendwelche Aktivitäten dürften mit gut tun. Nehme seit Montag Antibiotika, anscheinend habe ich mir durch das Airconditioning beim Rückflug aus Ruanda eine Mittelohrentzündung eingefangen und mein HNO-Arzt meint, die sollte ich nicht auf die leichte Schippe nehmen, denn sie könnte bleibende Schäden verursachen. Habe also gestern halblang gemacht, nur auf dieser Terrasse mit der unüberbietbaren Aussicht gesessen, Henning Mankell’s „Der Chinese“ gelesen, Capuccino und O-Saft getrunken und Musik, die nicht stört über mich ergehen lassen.

„Der Chinese“ muss das Buch sein, an dem Mankell arbeitete, als wir zusammen auf Einladung des Bundespräsidenten in Ghana waren. Bin mir nicht ganz sicher, wie ich diesen Roman mit dem reichlich abstrusen, globalen Plot finde: Ein Massaker, entführte chinesische Zwangsarbeiter im Amerika des 19. Jahrhunderts, Yuppie-Kommunisten in Peking, Zimbabwe und Mosambik und ein Showdown in Londons Chinatown. Alles zusammengenommen ein bisschen viel. Aber spannend ist es allemale und vielleicht gerade jetzt, zwischen pro-tibetischem Protest und der Olympiade in Peking ganz gut getimt um darauf aufmerksam zu machen, welche Probleme auf die Menschheit zukommen, je mehr der anderthalb Milliarden Chinesen darauf bestehen werden, ihren Teil vom Kuchen abzubekommen.

Abends dann im gleichen Lokal auf Großbildschirm das Spiel Deutschland – Türkei. Bin überrascht, wie überlegen die Türken in der Anfangsphase waren, nach 20 Minuten hätten wir sogar 0:3 hinten liegen können. Schön, dass ausgerechnet Poldi mit seiner Flanke auf Schweinsteiger (nahezu eine Kopie des Musterpasses aus dem Portugal-Spiel) das 1:1 einfädelte. Unfassbar, dass die Bayern diesen Instinktfußballer nun bereits seit zwei 2 Jahren auf der Bank abgammeln lassen.

Santorini ist wirklich sehr hübsch. Gestern, kurz vor Sonnenuntergang habe ich noch einen kleinen Rundgang durch Imerovigli unternommen, das schneeweiß wie ein Adlernest am Kraterrand klebt und inzwischen natürlich ausschließlich vom Tourismus lebt. Das Leben in den Jahrhunderten zuvor dürfte erheblich härter gewesen sein. Kurz habe ich überlegt, ob ich nicht bis Samstag hier bleiben sollte, aber so richtig weiß ich doch nicht, was ich hier verloren habe. Irgendwie sehne ich mich danach, mal irgendwo anzukommen, wo ich den Koffer auspacken kann und nicht nur auf der Durchreise bin. Nehme also um 16 Uhr das Schiff nach Naxos, miete mir ein Auto und sehe zu, dass ich dahin komme, wo ich eigentlich hinwill.