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Samstag, 27.August – Rietberg / Volksbank-Arena im Gartenschaupark

Reisen bildet. Jetzt wissen wir also auch, wo Rietberg ist, nämlich ca. 20 Kilometer von Lippstadt entfernt, wo ja Karl-Heinz (!) Rummenigge herkommt. Vor drei Jahren fand hier die Landesgartenschau statt, weswegen nach wie vor dachbegrünte Freilichtbühne vor einem terrassenförmig, asymmetrisch (wieso eigentlich?!) ansteigendem Auditorium existiert. An irgendwelche Garderoben-Facilities hat man damals offensichtlich keine Gedanken verschwendet, sodass sowohl Catering-Zelt, wie auch die Garderoben-Zelte bodenlos auf dem, vom Regen der vergangenen Nacht vollgesogenen Rasen stehen. Utz, unser Tourleiter, improvisierte was das Zeug hält und als wir nach der ersten Halbzeit HSV-FC (1:1) zum Soundcheck zurückkommen, sieht alles ganz manierlich aus. Sogar Heizstrahler sind installiert, das hätte mir gestern um die Zeit mal einer andeuten sollen, da wusste man nicht, wo man sich vor Hitze lassen sollte. Ziemlicher Temperatursturz. Der Soundcheck verzögerte sich, weil sich auf Werners Bühnenseite immer wieder eine riesige Pfütze bildet. Insgesamt ist es nicht einfach diesen ökologisch wertvoll bepflanzten Betonbunker zum Klingen zu bringen. Aber alles nicht so schlimm, ab und zu bricht die Sonne durch die schwarzen Wolken und vor allen die zwischenzeitlich durch Handzeichen von der Crew kundgetanen Zwischenergebnisse vom Spiel in Hamburg erwärmen die Herzen der der musizierenden Fraktion. Es geht nach einer hochdramatischen zweiten Halbzeit 3:4 für den FC aus, somit dürfte für’s erste Mal Beruhigung einkehren. Das nächste Spiel (gegen Nürnberg) werde ich, weil ja am kommenden Wochenende ein Länderspiel stattfindet, im Ostkongo lediglich per SMS verfolgen können. Vivian wird das schon regeln. Eigentlich sollten wir heute ja schon um 19:00 Uhr auf die Bühne, was aber unmöglich war, weil zu diesem Zeitpunkt der Himmel bereits seit einer halben Stunde sämtliche Schleusen geöffnet hatte, das Publikum unter einem malerisch farbenfrohen Schirmpanzer (siehe römische Schlachtformation „Schildkröte“) verschanzt war und Werners Pfütze erneut stauseeartige Ausmaße angenommen hatte. Es bleibt uns also nur noch eine letzte verzweifelte Maßnahme, die „Powerhuldigung Rot-Weiss“, zu der wir anscheinend seit sechs Jahren nicht mehr greifen mussten, denn diese Zeremonie ist Anne erstaunlicherweise noch unbekannt und das hier ist bereits ihr sechstes Jahr mit uns. Also zusätzlich zur obligatorischen homöopathischen Dosis Grappa für jeden einen Schluck Rotwein und der Wettergott hat uns wieder lieb. Eine rituelle Handlung, die bisher nur ein einziges Mal nicht zum erwünschten Ergebnis geführt hat. Keine Ahnung warum, vielleicht war der Wein damals im Bergischen Land zu schlecht. Heute führt sie zu einem nahezu vollen Erfolg, die paar Tropfen zwischendurch kommen erst gar nicht in die Wertung. Der Gig gerät extrem entspannt, keinerlei Druck, habe zwischendurch sogar Zeit, mir ein paar Gedanken über das Programm der Hallentour ab Worpswede (Warm Up am 09.November) zu machen. Die eine oder andere Umstellung soll schon sein und auch zwei, drei Songs scharren auf der Reservebank seit längerem deutlich vernehmbar mit den Füßen. Aber im Großen und Ganzen bleibt es natürlich bei der Drittelung: Ein Drittel alte Klassiker, ein Drittel mittelalte und ein Drittel neue. Denke, das ist ein Konzept, mit dem alle Beteiligten auf Dauer zufrieden sein können. Nach der Show wir fleißig aufgelöst, das heißt: Klamotten und Instrumente, die man in der Zwischenzeit zuhause braucht in die verschiedenen Fahrzeuge verladen und danach sitzen wir noch gemütlich unterm Heizstrahler und trösten uns gegenseitig. Für Anne, Helmut und mich ist die Pause am Kürzesten, denn bereits am 26.September fangen die Proben mit der Big Band für die vier Gigs im Oktober an. Bei mir persönlich wird jedenfalls die Langeweile keine Chance bekommen, denn jetzt muss definitiv die Auswahl für die „Jubiläums-Box“ getroffen werden. Werde also reichlich Material sichten und in eine sinnvolle Form zu bringen haben. Leicht wird das nicht und richtig viel Zeit habe ich vermutlich auch tagsüber nicht, denn da stehen fünf Drehtage für „Vorfahren gesucht“ in meinem Terminkalender.