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Samstag, 10.September 2011 – Frankfurt / Brüssel / Kigali

Die vergangenen beiden Tage gingen mit tausenderlei Kleinkram, hauptsächlich im Büro drauf.
Heute Morgen um 04:00 Uhr aus den Federn, Tina fährt Robin und mich zum Bahnhof, ICE nach Frankfurt, wo wir Eva von World Vision treffen und mit ihr gemeinsam nach Brüssel fliegen. Hier wiederum stößt die Journalistin Andrea Jeska zu uns, die kleine Reisegruppe ins Herz der Finsternis ist komplett. Wegen des Bürgerkriegs in Libyen ist die Zivil-Luftfahrt gezwungen, Umwege zu fliegen. So geht es diesmal auf unserem Flug nach Kigali/Ruanda zunächst über den Balkan und danach quer über die Ägäis. Als hätte ich es mir gewünscht, taucht doch tatsächlich Santorini unter uns auf. Ich sehe den Fährhafen, das traumhafte Möwennest Imerovigli am Kraterrand, wo wir 2010 und vor drei Jahren ein paar Tage verbracht hatten sowie den Flughafen, wo wir den Nachmittag unseres Heimflugs das erste Saisonspiel gegen Werder Bremen im Internet verfolgt hatten. Weiter geht es über Ägypten, den Sudan, Uganda nach Ruanda. Landen pünktlich kurz vor 20:00 Uhr und zunächst sieht es so aus, als ob unser Gepäck in Brüssel nicht umgeladen worden wäre. Als wir uns längst in die Schlange beim zuständigen „Airport Lost & Found“ eingereiht haben, kommt gut eine Stunde nach Stillstand der Gepäckbänder doch noch einmal Bewegung in die Ankunftshalle. Man hatte doch noch einen Container in der Nähe des Abfertigungsgebäudes verwaist im Regen erspäht. Uns fällt ein Stein vom Herzen, denn ohne Robins Film-Equipment hätte es deutlich weniger Sinn gemacht, in den Ost-Kongo weiter zu fahren. So aber fahren wir guten Mutes ins, von Chinesen betriebene „Top Tower-Hotel“, in dem auch das Casino von Kigali und die überflüssigste Diskothek der Welt untergebracht sind. Egal, zum Schlafen wird’s reichen. Die Zimmer sind merkwürdigerweise tennisplatzgroß, dafür die Betten aber breiter als lang. Könnte man mühelos fünf Chinesen drin unterbringen, bei zwei ausgewachsenen Germanen würde es allerdings problematisch. Gut, dass mein Sohn eine eigene Tennishalle bezieht. Für unseren Schlummertrunk kongolesisches Primus-Bier, das nach Auskunft der Kellnerin „not too cold“ ist, weichen wir uns gegenüberliegende ebenfalls chinesische Speiserestaurant „Great Chinese Wall“ aus. Der Alarm in der „Top Tower Disco“ ist einfach zu infernalisch. Zunächst denken wir in einem der unter uns liegende Säle träte eine Art Punk-Band auf, bis wir dahinterkommen, dass da eine Gruppe asiatischer Bürohengste eine Karaoke-Party feiert. Auch gut. Andrea erzählt von ihrem vor kurzen stattgefundenen Besuch im kenianischen Hungerflüchtlingslager Dhabab, wir kriechen noch einmal die Erinnerungen an unseren vorigen, exakt vor einem Jahr, zurückliegenden Ost-Kongo-Trip auf und dann ist es auch wirklich Zeit, sich diagonal auf chinesischen Leinen abzulegen.