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Morgenmagazin und WDR Geburtstagsbrunch

18. Juni 06, Sonntag / Köln, WDR

Im kleinen Sendesaal des WDR ist für 11 Uhr der „3 mal zehn Jahre – Geburtstagsbrunch angesagt. Es sind ca. 100 Fans eingeladen. Torwandschießen, Kicker, Unplugged-Session, Massenhuldigung und endlich auch einmal die Goldverleihung für das Jubiläumsalbum an alle Beteiligte, die ja eigentlich schon im Januar angestanden hätte, aber man kommt ja zu nix.. Irgendwann hatten wir dann beschlossen, Goldverleihung und Geburtstagsfeierlichkeiten zusammenzulegen, was sich als eine ausgezeichnete Idee entpuppte. Ein wirklich gelungenes Fest in entspannter Atmosphäre. Kann es allerdings immer noch nicht fassen, dass dieser denkwürdige Morgen nach Dieter Müllers Länderspieldebut jetzt tatsächlich schon dreißig Jahre her sein soll.

16. Juni 06, Freitag / Berlin, Morgenmagazin

Da ja nun am Sonntag der definitive dreißigste BAP-Geburtstag gefeiert wird, häufen sich jetzt natürlich auch die Medienberichte über unsere Entstehung. So bin ich schon gestern Nachmittag nach Berlin Tegel geflogen, um ausgeschlafen in der WG des WDR-Morgenmagazins einzulaufen. Am Flughafen wartete bereits der legendäre FC- und Nationalspieler Dieter Müller auf mich, dessen drei Tore bei seinem Länderspieldebut die entscheidende Weiche zu unserer Gründung gestellt hatten. Wäre ich am Morgen danach nicht dermaßen verkatert gewesen, hätte ich vermutlich dem Saxophonisten meiner letzten Schülerband, von dem ich sechs Jahre nichts mehr gehört hatte, direkt „Vergiss es!“ gesagt, als er mich mit der Nachricht überraschte, er hätte ein Haus mit einem Stall geerbt. Wenn wir den zusammen renovieren würden, könnten wir ab und zu mal wieder abrocken.

Jedenfalls ist es natürlich auch prima, einen Abend lang Zeit zu haben, mit Dieter und einigen Leuten von der MoMa-WG (u.a. Peter Grossmann, der Fußballerin Steffi Jones und dem Trainer Jörg Berger) essen zu gehen und dabei zwei WM-Spiele im Fernsehen zu verfolgen.
Die Sendung heute morgen verläuft dann auch äußerst entspannt. Dieter und ich treffen kurz nach Acht in dieser Penthouse-Wohnung am Prenzlauer Berg ein, in der es tatsächlich zugeht wie in einer gut gelaunten WG, somit kann einfach auch nichts schief gehen. Es gibt ein paar entspannte Gespräche und daraus ergeben sich dann drei unterschiedlich lang angespielte Songs: (Vorsichtshalber hatte man mich gebeten eine Gitarre mitzubringen.) „Helfe“, „Nix wie bessher“ und „Müngersdorfer Stadion“. 14:50 Uhr Rückflug ab Tempelhof, abends Robins Abiturball. Ziemliches Wechselbad.

Wie alles begann (Ein Beitrag von Wolfgang für den Kölner Stadtanzeiger):

Es gibt ein Fußballspiel, dass einen entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf meines Lebens ausgeübt hat. Es fand im Rahmen der Europameisterschaft am 17.Juni 1976 in Belgrad statt, Deutschland spielte im Halbfinale gegen die jugoslawischen Gastgeber. Zur Halbzeit lag der noch amtierende Europameister bereits 2:0 hinten und obwohl zu diesem Zeitpunkt wohl kaum einer mehr einen Pfifferling auf die Deutschen gesetzt hätte, brachte sie Helmut Schön mit zwei Auswechslungen doch noch einmal zurück auf die Siegerspur.

Als ersten wechselte er Heinz Flohe vom 1.FC Köln ein, der dann auch ziemlich bald mit einer abgefälschten 20-Meter-Bombe den Anschlusstreffer erzielte und damit die Wende markierte. Die eigentliche Sensation aber sollte noch kommen, und zwar verursacht vom Länderspiel-Debutanten Dieter Müller (ebenfalls vom 1.FC Köln), dessen erster Ballkontakt auch prompt der Augleich war. Es folgte die Verlängerung, in der er nach einem Rückpass von Hölzenbein das 2:3 schoss und sein 2:4, mit dem er diesem Fußballfest mit seinem nunmehr bereits dritten Länderspieltor das Sahnehäubchen aufsetzte. Deutschland war im Endspiel, Beckenbauer durfte sein hundertstes Länderspiel doch noch im Rahmen dieser EM absolvieren und Köln lag sich ob der vier kölschen Tore selig in den Armen.

Auch in der Hochparterre der Teutoburgerstraße 5 verschwendete niemand auch nur einen einzigen Gedanken an pünktliche Nachtruhe. Der Biernachschub geriet erst nach Büdchengeschäftsschluss ins Stocken.Man feierte eine rauschende Ballnacht.

Umso grausamer das Erwachen am darauf folgenden Morgen. Ich war natürlich völlig verkatert, hatte aber im Rahmen meines Zivildienstes pünktlich um 10:00 Uhr beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in der Alteburger Straße ca. siebzig, in grünen Styroporkasten warmgehaltene Mahlzeiten, in meinen Dienstwagen einzuladen, um damit bis kurz vor Zwei ältere Herrschaften im Kölner Altstadt-Bezirk zu beliefern.

Gut dreieinhalb Stunden Schwerarbeit lagen vor mir: Fahren, parken, dampfende Styroporkiste öffnen, heiße Staniolpackung entnehmen, mindestens drei Stockwerke hoch spurten – denn keiner unserer Klienten wohnte tiefer – und noch freundlich das oft einzige Gespräch halten, das viele dieser Leutchen an diesem Tag führen. Dann im Tiefflug zurück zum Auto und weiter zum nächsten Kunden.

Es war bereits fünf vor zehn, ich wollte gerade die Tür hinter mir zuziehen; da da klingelte das Telefon und der Saxophonist meiner ehemaligen Schülerband, den ich mindestens seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hatte, erzählte mir die nächsten zwei Minuten lang, er habe ein Haus mit Stall in St.Augustin geerbt. Wenn wir den Stall gemeinsam renovieren würden, hätten wir einen prima Proberaum und könnten endlich mal wieder zusammen abrocken. Zu mehr als „Geht klar, ich komme mal vorbei...“ war ich vor lauter Kopfschmerzen und Zeitdruck nicht in der Lage, ich musste definitiv los.

Zwei Abende später haben der spätere BAP-Gitarrist Hans Heres und ich uns dann den Stall tatsächlich angesehen, und obwohl wir diese Idee mit dem gemeinsamen Renovieren ziemlich flott unter der Rubrik „Bauernschlau“ abgehefteten, war der Grundstein für die Wiederaufnahme des musikalischen Betriebs gelegt, der während meines Kunststudiums eingeschlafen war.

Soweit ich mich richtig erinnere, hat Uli Hoeness dann im Endspiel gegen die Tschechoslowakei den entscheidenden Elfer versiebt: Aber ohne das Fussballspiel gegen Jugoslawien und den verkaterten Morgen wäre es zu den ersten zarten Gehversuch der Band gar nicht gekommen, weil ich den „bauernschlauen“ Antrag meines ehemaligen Bandkollegen vermutlich in resoluter Form pariert hätte. In meinem Atelier aber hatten wir zwischenzeitlich eine Heimstätte für die Band gefunden.

Nachzutragen wäre vielleicht noch, dass mich Dieter Müller nach dem Gewinn des Doubles zwei Jahre später fast einmal mit seinem roten Cabrio unweit des Heinzelmännchen-Brunnens über den Haufen gefahren hätte und dass wir am 16.Juni gemeinsam im ARD Morgenmagazin über die WM 2006 gesprochen haben. Einen Tag vor dem dreißigsten Jahrestag seines Länderspiel-Debuts und zwei Tage vor dem 30. Geburtstag meiner Band. Wenn das mal kein Zufall ist!