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Morbach - Baldenauhalle

Vorbei an Köln in den Hunsrück nach Morbach. Wie wir erfahren, war hier, solange die US-Army noch stationiert war, das größte Munitionsdepot Europas. Könnte mir vorstellen, dass die Leute hier seit dem Abzug etwas besser schlafen. Aber vielleicht gewöhnt man sich ja auch auf Dauer daran, buchstäblich auf einem Pulverfass zu sitzen. Jedenfalls scheint der Strukturwandel funktioniert zu haben, unter anderem auch durch den Bau eines riesigen Windenergie-Parks. So gut offenbar, dass sich das Städtchen endlich eine Stadthalle leisten konnte, in die man uns heute buchte. Furchtbar viele Profikapellen dürften hier noch nicht gespielt haben, alles noch nagelneu.

Bei unserer Ankunft begrüßt uns bereits der hiesige Gitarrenbauer Stuart M. Bilcock, ein netter Althippie, der mit unserem Freund Klaus Voormann exclusiv Gitarren entwickelt, von denen eine mittlerweile sogar Paul McCartney spielt. Tolle Instrumente, klingen super, aber von der Optik her nicht unbedingt mein Fall. Abgesehen davon bin ich mit meinem Gitarrenbestand sowieso komplett überfordert. Klar, Luxusproblem, und dann auch noch diese sensationelle neue Düsenberg, die ich mir unmittelbar nach der Rebound-Versteigerung noch mal bauen lasse (am besten gleich zweimal, falls während der Show mal eine Saite reißt!).
Die Zeit zwischen Soundcheck und Show überbrücke ich mit dem Philip-Roth-Roman, lange nicht mehr so was Lupenreines gelesen! Unglaublich, an wie vielen Stellen ich mich wieder finde, von den „Ansichten eines Clowns“, über „Verdamp lang her“ bis hin zu „Diego Paz“

Zunächst irritiert mich die deutlich kleinere Bühne leicht, dann aber entwickelt sich die Show sehr positiv. Den gestrigen Verzicht auf meinen Panama-Hut halte ich heute nur vier Stücke lang durch, dann nervt mich meine Matte dermaßen, dass der Deckel wieder drauf kommt.

Nach der Show in der Garderobe noch ein – vom Winzer unseres Vertrauens mitgebrachtes - Gläschen Wein auf Werners ab Mitternacht stattfindenden Geburtstag. Eine nette Feier, die dann in der Hotelbar des Hotels „St. Michael“ fortgesetzt wird. Was mich betrifft, allerdings nur auf die Dauer eines Glases, denn von Stein-Wein auf Plörre umzusteigen, hätte entsetzliche Folgen. Lieber noch ein paar Seiten „Empörung“.