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Montag, 12.September 2011 – Goma / Beni

06:00 Uhr Weckruf, 06:30 Uhr werden wir abgeholt und zum MUNUSCO-Airport (Mission des Organisations des Etats Unies pour la Stabilisation du Congo) chauffiert, von wo aus wir in einer UN-Maschine nach Beni fliegen. Wie ich sehe, vor allem aus der Luft, als wir nach dem Start und einer Schleife über den Kivu-See noch einmal Goma überfliegen gehen die Lava-Räumungsarbeiten der Welthungerhilfe zu deren ersten feierlichen „Baggerstich“ ich ja hier war, gut voran. Goma ist nach wie vor die unattraktivste, aber vor allem dreckigste und stinkenste Stadt, in die ich je meinen Fuß gesetzt habe. Das denke ich, aber zu diesem Zeitpunkt bin ich noch nicht durch Beni gegangen, wo wir nach gut einer Stunde Flug auf dem UN-Teil der Buschpiste „Beni Airfield“ von Anna und dem Rebound 2-Team abgeholt werden. Ab hier stehen wir nicht mehr unter dem Schutz der Blauhelme, ab hier gilt es vor allem Jabs’ Warnungen Beachtung zu schenken. Anna hat seit März einiges in Bewegung gesetzt. Vor allem hat sie mit ihrem Team ein, von einer hohen Mauer umgebenes Grundstück mit Haus angemietet und aus Unmengen in Frage kommenden Jugendlichen fünfzig Mädchen und dreißig Jungen ausgewählt, denen wir helfen wollen, den Weg aus dem Horror zu schaffen. Ein zweimonatiges Therapieprogramm, das zwei Studenten der Universität Belfast entwickelt haben, hat offensichtlich positiv angeschlagen, jedenfalls sind die Kids voll des Lobes für John und Paul aus Irland. Vor allem die Situation der Mädchen ist grauenhaft, die meisten hat man aus der Prostitution in unsere Einrichtung geholt. Elternlos und verstoßen war ihnen nicht anderes übrig geblieben, als um zu überleben “beim Bierausschank zu helfen“. Ein typisch afrikanischer Euphemismus, vergleichbar mit dem einem Rebellen-Kommandeur „zur Ehefrau gegeben“ zu werden. Eins von diesen beiden möglichen Schicksalen haben alle unserer 50 Mädchen erlitten. Nachdem wir im noch im Aufbau begriffenen „Rock Hotel“ eingezogen sind, bekommen wir in einer Art Schnelldurchgang alles erklärt, was wir für die kommenden Tage wissen müssen. Noch eine Pizza beim benachbarten „Chez Mario“ und ab ins Bett. Viele Eindrücke wollen bereits jetzt verdaut werden, es sollen noch reichlich hinzukommen.