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Mittwoch, 12.Juni 2013 - CH-Pratteln/Z7

Den gestrigen freien Tag nutze ich in erster Linie zur Rekonvaleszenz, aber auch um die Arbeiten am Buch abzuschließen. Ständiges Kommunizieren mit Oliver, Tina und dem Lektor ist angesagt. Gut, dass Isis mir dabei helfen kann, denn das würde mich überfordern. Natürlich ist auch ein kleiner Bummel durch die Winterthurer Altstadt drin und am Spätnachmittag geben wir uns die Neuverfilmung von Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“. Wir sind die einzigen Personen im Kino und begreifen unmittelbar, dass man sich diesen Film unbedingt in 3D anschauen sollte, wozu es hier leider keine Möglichkeit gibt. Alles ist auf diesen Effekt hin produziert, von den Schneeflocken bis hin zu halsbrecherischen Perspektiven und Fahrten. Die Story ist aufs Minimum reduziert, ähnlich wie in modernen Superheldenfilmen, überhaupt hat man das Gefühl in einer Zwischenwelt aus Comic und Märchen gelandet zu sein. Wir beschließen, dass wir jetzt möglichst bald mal die Robert Redford Verfilmung sehen müssen. Abends früh ins Bett, Schönheitsschlaf. Heute beim Frühstück wartet Utz mit einer bösen Überraschung auf uns: Der Zuständige vom Z7 hat vergessen uns ein Hotel zu buchen, was bedeutet, dass wir in Basler Nähe auch keins finden werden, denn hier findet gerade die Art-Basel, die Kunstmesse statt, alle Hotels sind ausgebucht. Schließlich findet sich was für uns, nämlich im Airport Hotel Grenchen, auf der halben Strecke nach Bern, schon wieder an Solothurn vorbei. Aber da die Sonne scheint, macht das irgendwie nichts und dieser kleine Sportflughafen hat auch was. Auf dem Weg zum Venue kommen wir auch an dieser Autobahnbrücke vorbei, bis zu der ich mit Sheryl am Abend, bevor wir nach Südfrankreich zu den Tonfilm-Sessions aufgebrochen sind, spaziert bin. Pratteln war damals das letzte Indoor-Konzert mit der alten Besetzung und nach den Plattenaufnahmen hatten wir nur noch ein paar Open Airs gespielt. Jedenfalls muss sich abends beim Konzert, während Sheryls Parade-Nummer „Vill passiert sickher“ so intensiv an sie denken, dass sich ein ziemlicher Kloß in meinem Hals breit macht und ich fast nicht mehr weiter singen kann. Die Temperaturen auf der Bühne kann man getrost als tropisch bezeichnen, weiss gar nicht, was ich zwischen den Songs zuerst tun soll, Naseputzen oder Schweiß abwischen. Erst ein ständig umgehängtes Handtuch löst das Problem. Der arme Jürgen hinter seinem Schlagzeug, dem man unter diesen Bedingungen auch gerne mal den einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler verzeiht. Lustig ist der junge Kerl, der gegen Ende der Show ein digitales Display hochhält, auf dem JUPP FÜR MEINE MAMA draufsteht. Meine Zeichensprache mit der ich erklären will, dass wir den Song auf der nächsten Tour, wenn Anne wieder ein Cello dabei hat, spielen werden, versteht er nicht. Schließlich widme ich der betreffenden Mama „Du kanns zaubre“ und alles ist gut.

Tja, das war die Schweiz Tournee. Zurück zum Airport Hotel, leider mangels Badewanne kein spät-nächtliches Erkältungsbad mehr, stattdessen unter die Dusche und alles was an Medikamenten sinnvoll erscheint, wird eingepfiffen und eingerieben. Wird schon!