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Marokko-Tagebuch

Tanger, Hotel Valencia

Habe kurzentschlossen noch zwei Nächte Essaouira drangehangen, weil aus den Gedanken meiner nächtlichen Rückfahrt offensichtlich ein Songtext werden wollte. Das Lied hätte endlos viele Strophen bekommen können, dermaßen viele Eindrücke unserer, nach vielen Jahren endlich einmal wieder gemeinsamen Marokkoreise, lagen als Stichwörter bereit.

Herausgekommen ist lustigerweise eine Art Fortschreibung von „Ich wünsch mir, du wöhrs he“ und „Für Maria“. Die Musik dazu war mir auf dem Dach des Hotel Salam in Taroudant eingefallen, nachdem ich Magdalena „Every Grain of Sand“ vorgespielt hatte.

Das Jack’s Kiosk-Appartement No. 8, das ich noch nicht kannte, weil es sich - zwanzig Meter weiter - im Haus des Bilderrahmenmachers befindet, ist wie geschaffen, um diesen Songtext zu schreiben.

Verlasse das Haus nur noch zu den Mahlzeiten. An beiden Abenden lädt mich Charif zum Ramadan-Frühstück ein. Zunächst in die winzige anderthalb Zimmerwohnung, die er sich mit seinem verwitweten Vater und seinem zwölfjährigen Bruder teilt, und dann in einen noch winzigeren Laden, unter Einbeziehung sämtlicher benachbarter Kollegen. Irgendwie erinnert mich diese Szenerie an meine Kindheit, als auf dem ersten Stück der Severinstraße noch jeder jeden kannte.

Gestern morgen bin ich dann endgültig weitergefahren und kurz nach Sonnenuntergang in Tanger angekommen. Ein halbwegs sauberes Zimmer im „Hotel Valencia“, direkt am Hafen („Where the sailors all come in“), das definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat.

Abendessen nebenan, ein Bummel durch die Medina und im Bett danach den zweiten Teil von Ilija Trojanows „Weltenbummler“ zu Ende gelesen. Auch dafür gibt es kaum besser geeignete Orte als diesen hier, Kairo und Mekka einmal ausgeschlossen.