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Marokko-Tagebuch

M’Hamid

Nach vier Nächten fahren wir über die Teppichkooperativen-Stadt Tazenakth und das marokkanische Hollywood Ouarzazate weiter nach Tamnougalt bei Agdz. Hier in der Nähe, im palmenumsäumten Draa-Tal kehren wir für zwei Nächte im Hotel „Kasbah Itrane“ ein.

Faruk, der dieses Hotel seit sechs Jahren mit seinen Freunden aufbaut, hier wo Bertolucci Teile seiner Paul Bowles-Verfilmung vom „Himmel über der Wüste“ gedreht hat, lädt uns zum Ramadan-Abendessen bei seinen Eltern in Agdz ein. Auch hier große Wiedersehensfreude.

Die schlechte Nachricht ist die, dass sich der Fluss Draa, von dem die komplette Landwirtschaft abhängt (vor allem die Dattelpalmen-Plantagen), erneut um einige Kilometer verkürzt hat. Es regnet seit Jahre einfach zu wenig. Und der Fluss versiegt mittlerweile etliche Kilometer. An Stellen, wo ich noch vor Jahren auf Felsen sitzend den im klaren Wasser schwimmenden Fischen zugesehen habe, finde ich nur noch staubtrockenes Geröll vor. Die Folgen des globalen Klimawechsels werden mir hier so anschaulich wie bisher noch nirgendwo vor Augen geführt. Spätestens wenn auch in China jeder Haushalt über ein eigenes Auto verfügt, wird sich die Wüste das komplette Draa-Tal einverleibt haben.

Mit Faruk fahren wir von Tamnougalt aus bis in die Sandwüstenlandschaft von M’hamid, wo wir uns für eine Nacht in die Obhut einer mit ihm befreundeten Nomadenfamilie begeben: Kamelreiten, Lagerfeuerromantik und Übernachtung im Berberzelt inklusive.

Muss sagen, dass dieses Asphaltstraßenende definitiv das von Rissani mit den Merzouga-Dünen übertrifft. Bin sehr froh, das ich das Alles endlich mal meinen Mädels zeigen kann. Der Wunsch aus „Ich wünsch mir, du wöhrs he“ ist also endlich (sogar in der Mehrzahl „... ihr wört he“) in Erfüllung gegangen.