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Marokko-Tagebuch

Algeciras, Hafen

Vorgestern erst gegen 11:00 losgekommen, erste Übernachtung in der Camargue, Aigues Mortes (Hotel Canal): ein schönes mittelalterliches Städtchen. Zur Hauptsaison geht es hier vermutlich ab wie auf dem Drachenfels.

Die Zeitung mit dem Spielbericht „1. FC Köln gegen Essen“ (Das 1:0 habe ich mir am Montagabend noch gegönnt.) liegt den ganzen Tag über unberührt auf meinem Beifahrersitz, komme erst im Bett dazu sie zu lesen. Für die Fahrt hatte ich mir ohnehin vorgenommen, etwas zu tun, wozu mir sonst immer die Zeit fehlt. So konnte ich Bob Dylans Studioalben – vom ersten bis zum soeben erschienenen – konzentriert hintereinander durchhören.

Verlasse also Köln zu den Klängen seines ersten Albums von 1961 und erreiche die Fähre tatsächlich mit den Klängen des vorletzten Albums, dem am Nine-Eleven erschienenen „Love and Theft“. Das aktuelle Album wird mir später die Fahrt nach Chefchaouen versüßen, wo ich die erste Nacht verbringen will.

Für das Gebagger in Tanger habe ich diesmal keinen Nerv. Gestern Abend musste ich mich regelrecht zwingen, zwischen Granada und Malaga anzuhalten, hätte mühelos noch die letzte Fähre erreichen können. Aber was will ich um Mitternacht in Ceuta? Ich nehme mir also ein Zimmer in einem Fernfahrerhotel, wo ich sogar noch das Champions League Spiel „Bremen – Barcelona“ (1:1) geboten bekomme.

Jetzt ist es Punkt 12:00, und ich sitze mit einem Styroporbecher Milchkaffee in der Cafeteria der Express-Fähre. Der berühmte Felsen von Gibraltar lässt schön grüßen, und endlos viele Geschichten von Überfahrten aus tausendundeiner Marokkoreise drängen sich in mein Bewusstsein. Stift weglegen und die aktuelle Überfahrt genießen: die Gegenwart zählt.