Niedeckens BAP - Startseite

Kronenburg / Schauraum

Nach einer Woche nachzuholendem Bürokram und Promotion für die Lesereise gestern morgen erst mal im Rahmen der lit.Cologne zum 24-stündigen Lesemarathon, wo ich zusammen mit dem Kölner Kabarettisten Wolfgang Nitschke aus dem preisgekrönten Krimi „Berlin Fidschitown“ vorlese. Am späten Nachmittag dann nach Bochum zur Verleihung der „Steiger-Awards“. Schon eine beeindruckende Namensliste, sowohl von den Auszuzeichnenden als auch von Laudatoren. Meine Wenigkeit erhält den Preise der Sparte Musik, aber auch hier habe ich den Eindruck, dass es ein weiteres Mal mehr um mein Engagement gegen Rechts und meine Tätigkeit als Botschafter für „Gemeinsam für Afrika“ als um Musik geht, obwohl Thomas D in seiner Laudatio sich dann doch nicht nur darauf beschränkt.

Laudatio Thomas D:
“Als ich 1968 geboren wurde, machte Wolfgang Niedecken schon 4 Jahre lang Musik. 1976, da war ich gerade 8, gründete er die Rockband BAP. Ich weiß noch, wie ich aus dem Zimmer meines großen Bruders diese kölschen Texte hörte, und obwohl ich fast nichts verstand, war diese Musik emotional immer ganz klar zu verstehen. Die meinen das so, die meinen das ernst, war mein Eindruck damals. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Sich nicht verbiegen zu lassen, sich zu wandeln und sich dabei treu zu bleiben, nie zu vergessen wo man hergekommen ist und was einen als Menschen ausmacht, das sind die großen Prüfungen unseres Lebens. Die meisten scheitern an ihnen, früher oder später ...

Wolfgang nicht.

Zuerst einmal muss man ganz klar sagen was es heißt, mit einer Band, deren Sprache außerhalb von Köln keiner mehr versteht, nicht nur ganz Deutschland zu rocken, sondern Tourneen durch z.B. Nicaragua, Mosambik und die UdSSR zu spielen. Als erste deutsche Band in China zu spielen und dabei die größten Hallen des Landes zu füllen. So ziemlich alles erreicht zu haben was man sich als Band, als Texter und Musiker zu träumen wagt, und das seit über 30 Jahren! – In Mundart!

Wolfgang hat nicht nur mit Bruce Springsteen, Sheryl Crow, Ray Davis und Steppenwolf zusammengearbeitet, nein sogar mit Thomas D!

Und ich hab’ ihn dann auch noch überredet, den Riesenhit von BAP und meinen persönlichen Favoriten „Verdammt lang her“ auf hochdeutsche zu singen.

Für ihr Album „Dreimal zehn Jahre“ luden sich BAP Gäste ein, um ihre größten Hits noch einmal neu aufzulegen. Und ich dachte mir, das wäre doch die Gelegenheit für alle zu verstehen, um was es in dem Song geht.

Und Wolfgang gewährte mir diesen Einblick.
Und so habe ich ihn kennengelernt.
Den Menschen Wolfgang Niedecken.
Den Musiker, den Poeten, den Maler, den Krieger.
Und die Bezeichnung „Krieger“ sollte nicht missverstanden werden.
Ich meinen damit einen Menschen, der FÜR etwas kämpft.

Wolfgang kämpfte in der Kampagne „Arsch huh, Zäng ussenander“ was übersetzt soviel heißt wie „Erhebt Euer Hinterteil und öffnet den Mund“ für Gleichheit und Toleranz und erhielt dafür 1998 das Bundesverdienstkreuz.

Er kämpfte für die Friedensbewegung in West- und Ostdeutschland zu einer Zeit, als die Mauer noch stand und erhielt dafür in der DDR Hausverbot.

Und er kämpft für mehr Hilfe für die Ärmsten der Welt als Botschafter für „Gemeinsam für Afrika“.

Sich FÜR etwas einzusetzen bedeutet, den Glauben an die Menschheit nicht verloren zu haben. Nicht zu verbittern und irgendwann aufzugeben, die Hoffnung nicht zu verlieren und sich einreden zu lassen, dass eh alles nichts bringt.

Ich weiß nicht, wie oft Wolfgang Niedecken an diesem Scheideweg stand, doch ich weiß, dass er seinen Mut, seine Hoffnung, seinen Kampfgeist und sein Herz immer behalten hat. Das ist nach wie vor spürbar, auch wenn ich immer noch nicht verstehe, was er singt.

Der Steiger-Award 2007 in der Kategorie Musik geht an: Wolfgang Niedecken.“

Besonders freue ich mich natürlich darüber, Rupert Neudeck hier wiederzutreffen und überhaupt gemeinsam mit Leuten geehrt zu werden, die mir in irgendeiner Hinsicht seit Jahren Vorbilder sind. Beispielsweise kann ich gar nicht mehr nachzählen, wie oft ich seit Beginn des Irakkrieges auf Peter Scholl-Latours detaillierte Warnungen vor den Konsequenzen dieses Unfugs nachgedacht und gesprochen habe. Leider sind die meisten Lobreden viel zu lang, man hat hier und da wirklich den Eindruck, dass überdurchschnittlich viele Selbstdarsteller von der Leine gelassen wurden, was einem solchen Abend natürlich schadet. Auch was die Boygroup „US 5“ zwischen Genscher und dem afghanischen Präsidenten Karzei zu suchen hatte, wird mir ein dauerhaftes Rätsel bleiben.
Heute dann, nach kurzem Zwischenstopp zuhause, nach Kronenburg, um mich in Manfreds „Schauraum“ vor einheimischem Kleinstpublikum für die anstehende Tournee warm zu spielen. Klappt alles wie am Schnürchen, die neu eingefügten, etwas bekannteren Stücke geben ordentlich Schwung, sodass ich dem Tourstart übermorgen beruhigt entgegensehe.