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Kalongo/Pader District, Uganda

Fahren raus nach Kalongo, wo heute der vom „Project Rebound“ finanzierte Schlafsaal-Bau des „Kalongo Technical Institute“ offiziell eingeweiht wird. Es hat sich als sinnvoller erwiesen, sich mit unseren Beiträgen an stattlichen Institutionen zu beteiligen, in denen es an allen Ecken und Enden mangelt, als eitel hinzugehen und neben diesen eigene, reine Rebound-Einrichtungen zu eröffnen. Der Vorteil hierbei ist natürlich auch der Aspekt der Nachhaltigkeit, denn nur mit diesem Modell kann man sich sicher sein, dass keine unserer Investitionen in ein paar Jahren doch irgendeinem Profiteur zufällt. Diese höhere Berufsschule hier in Kalongo bildet über das reine Handwerk hinaus sogar Bautechniker und Statiker aus, wird sehr professionell betrieben und in dieser Region niemals überflüssig werden.
Unser Empfang gestaltet sich wie im Bilderbuch: Traditionelle Tänzer, Sänger und Musiker erwarten uns am Eingang des Geländes und begleiten uns zum einzuweihenden Dormatory-Gebäude, vor dem schattenspendende Pavillonstuhlreihen, eine ugandische Nationalflagge, Pavillons und zwei Mikrophone aufgebaut sind. Hier verbringen wir die nächsten drei, zum Teil quälend zähen Stunden, denn der Zeitplan gerät durch zahllose, jeweils viel zu lange Ansprachen völlig aus den Fugen. Strafverschärfend kommen die Übersetzungen dieser ins Acholi sowie ständige Stromausfälle hinzu. Auch einiges, was hier gesagt wird, grenzt leider an Unverschämtheit. Die Wunschliste des Direktors, der diese Gelegenheit offensichtlich nicht ungenutzt lassen will, hört sich an, als seien Manfred und ich das Deutsche Entwicklungshilfeministerium. Offensichtlich hat der Mann nicht verstanden, wie das Geld für das solideste Gebäude auf seinem Gelände zusammengekommen ist. Versuche, es ihm nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung zu erklären, wobei er ziemlich zerknirscht wirkt, denn sogar der hiesige Landrat war in der Erwiderung seiner Ansprache aus der Haut gefahren, was ihn allerdings nicht davon abhalten konnte, seinerseits mit einem weltfremden Wunschzettel zu kommen. Verständlich ist es ja, nach über zwanzig Jahren Bürgerkrieg, in denen sich die Acholi vom Süden Ugandas weitgehend im Stich gelassen fühlten. Aber diese Nehmer – und Bittstellermentalität steht einem wirklichen Aufbruch in die Nachkriegsphase lähmend im Wege. Es ist ein Anspruchsdenken entstanden, das die Regierung in Kampala entlastet und der jüngeren Generation, die in I.D.P.-Camps aufgewachsen evtl. als Kindersoldaten missbraucht wurde, auf keinen Fall aber das Handwerk ihrer Vorfahren erlernt hat, vor Riesenprobleme stellt. Ich wage zu prophezeien, dass bei gleichbleibenden Engagement Kampalas, der Korruption im Rahmen der Landreform (erst letzte Woche wurde der hierin verstrickte und ertappte Finanzminister entlassen), hier eine Generation zorniger junger Männer heranwächst, die irgendwann wieder bereit ist, erneut zu den Waffen zu greifen.

Aber zurück zu Rebound: Unser Geld ist beispielhaft investiert und auf Heller und Pfennig abgerechnet. Steffen hat einen super Job gemacht, obwohl wir vieles von Deutschland aus nicht sofort nachvollziehen konnten. Der Sinn unserer diesjährigen Reise steht jedenfalls absolut außer Frage, denn erneut lernen wir dazu und verstehen jetzt sogar so ziemlich alles, was er uns in den vergangenen anderthalb Jahren nur ansatzweise erklären konnte. Das beruhigt ungemein bezüglich weiterer Investitionen, die immer eng am Thema „Resozialisation ehemaliger Kindersoldaten“ (bzw. „War affected youth“) bleiben werden und eben nicht irgendwelchen Ministerien in Kampala finanzielle Entlastung und schönere Villen mit Blick auf den Victoria-See bescheren sollen. Die Einweihungszeremonie endet mit einer kurzen Ansprache des Chefs des Hauptsponsors Jack Wolfskin, meiner Revanche für all die dargebotenen Lieder und Tänze in Form von „Für ne Moment“, der Enthüllung einer am Haus angebrachten Plakette, dem Durchschneiden des obligatorischen Bandes und dem Pflanzen zweier Ficus-Bäumchen.

Am späten Nachmittag besuchen wir in Pader ein Sportfest, auf dem wir dem Fußballspiel unserer Schule in Kalongo gegen die Schule sehen, deren Schlafsaal wir morgen in Pajule einweihen werden. Schön zu sehen, wie diese jungen Kerle mit- und gegeneinander spielen, egal, wer von ihnen mit der LRA im Busch war und wer „nur“ unter ihnen gelitten hat.