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Jinja - Uganda

Kingfisher Lodge

Gut erholt lassen Manfred und ich uns gegen Mittag in die Stadt chauffieren. Die wenigen mitgenommenen Bücher sind gelesen (u.a. Chang Rae Lees schwer verdaulicher Roman „Freund im eigenen Leben“, den ich mir zugelegt hatte, nachdem ich „Turbulenzen“ auf dem Rückflug Buenos-Aires – Frankfurt so begeistert verschlungen hatte) und ein wenig afrikanische Realität kann nicht schaden. Mehr als die Hauptstraße schaffen wir allerdings nicht, weil wir dem Fahrer gesagt haben, er solle uns in zwei Stunden wieder einsammeln.

Immerhin finden wir ein Schreibwarengeschäft, in dem wir grellbunte afrikanische Landkarten und lustig illustrierte Sinnsprüche erwerben, welche sich in gerahmter Form sicherlich gut im Treppenhaus machen. Dem „Daily Monitor“ entnehmen wir, dass der Truck-Unfall, an dem wir am Montag in der Gegend von Kapchorwa vorbeigekommen waren, mindestens 75 Menschenleben gefordert hat. Weitere 30 liegen zum Teil schwerverletzt in den Krankenhäusern von Mbale und Tororo. Es handelte sich um einen Militärtransport, bei dem man Soldaten und ihren Familienangehörigen befohlen hatte, einen offensichtlich schrottreifen Trailer zu besteigen, dessen Bremsen dann in einer Kurve versagten. Ergebnis siehe oben.

Auf der selben Titelseite ein Foto von den im Matsch steckengebliebenen Trucks auf der Strecke Gulu-Juba, die wir schon vorige Woche auf unserem Weg nach Atiak umfahren hatten. Inzwischen müssen die Zustände katastrophal sein, vor allem verderbende Lebensmittel und die sanitären Zustände stinken buchstäblich zum Himmel. Die Route nach Juba war erst durch die Friedensverhandlungen mit der LRA für die Geschäftsleute interessant geworden, da der Weg von Karthoum durch südsudanesisches SPLA-Rebellengebiet führt und deshalb derzeit ungleich gefährlicher ist.

Unten auf der Seite dann noch eine kleine Schlagzeile über einen weiteren Grenzzwischenfall an der Grenze zum Kongo, bei dem einer von vier uniformierten „Gunmen“ in kongolesischen Armeeuniformen erschossen wurde. Es handle sich um Rebellen, die zur aus Ruanda geflohenen Interahamwe-Miliz gehören, jenen Horden, die den Völkermord von 1994 auf dem Gewissen haben. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass allenfalls die Nachricht über den Militärunfall Chancen auf eine briefmarkengroße Veröffentlichung in europäischen Zeitungen hat.