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Gulu und Anaka, Uganda

Gut siebzig Kilometer Piste zurück in Richtung Murchinson Nationalpark ins aufzulösende IDP-Camp Anaka. Die Fahrt geht entlang der alten Bahnlinie, die bis zum Beginn der Rebellenüberfälle 1987 quer durch Norduganda den Kongo mit Kenia verband. Seitdem liegt sie still. Ist zugewuchert, die Bahnhöfe sind zerstört und nach und nach bedienen sich ganz Clevere der Schienen, schließlich gibt es für Altmetall cash. Es ist ein Jammer und natürlich wird es auch hier höchste Zeit, dass sich der Süden langsam mal dazu herablässt, diese Eisenbahnlinie zu reaktivieren. Muss jedenfalls wiederholt an den Lokführer aus Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ denken, der seine Lokomotive trotz widrigsten Umständen mitten im Dschungel auf fünfzig Metern Schienenstrecke fit hält.

1500 Soldaten, sagt man, hätten zwanzig Jahre lang dieses riesige Camp beschützt, aus dem inzwischen ungefähr 65 Prozent der Bevölkerung entweder in ihre Dörfer zurückgegangen oder in sogenannte „Satellite Camps“ zwischengesiedelt seien. Dementsprechend leer wirkt Anaka, viele der Rundhütten sind abgerissen und das hier stehende größte Krankenhaus des Distrikts Amuro hat etwas Geisterhaftes. Mangels Gerätschaften medizinsicher Instrumente und Medikamente ziehen es die Leute im Krankheitsfall vor, wahlweise zu Health Centern der NGOs oder zu traditionellen Heilern zu gehen. Auf dem Rückweg besuchen wir noch schnell eins dieser Satelliten-Lager bei Nwoya, das einen deutlich menschenwürdigeren Eindruck auf uns macht, als so manches, was wir in den vergangenen Tagen hier oben gesehen haben. Die Hütten stehen im angemessenen Abstand zueinander, alles ist – obwohl unser Besuch nicht angekündigt war – sauber gepflegt, World Vision hat eine Schule spendiert und die Menschen machen einen offenen Eindruck. Es herrscht spürbar so etwas wie Aufbruchstimmung.

Die zwei Horrormeldungen des Tages: Gestern ist auf dem Flughafen in Amsterdam eine Maschine der Turkish Airways im Landeanflug abgestürzt und der Markt in Kampala, den wir noch am vergangenen Freitag mit Nicola besucht hatten, ist einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Man munkelt, das Bus-Business hätte per Brandstiftung zur nötigen Voraussetzung zur Erweiterung des städtischen Busbahnhofs beigetragen. Gottseidank sind – wie es aussieht – bei dieser Katastrophe keine Menschen ums Leben gekommen, jedenfalls steht in der New Vision nichts diesbezügliches.