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Freitag, 16.September und Samstag, 17. September 2011 – Kigali / Nairobi / Brüssel / Frankfurt / Köln

Nach dem Frühstück noch mal ins „La Galette“, wo wir uns ja am vorigen Sonntag mit Dr. Alfred Jahn verabredet hatten. Was ich von diesem Treffen vor allem mit nach Hause nehmen werde, ist seine Verzweiflung über die offensichtlich unlösbare Frage, wie er sich bloß aus dem, was er hier auf den Weg gebracht hat, zurückziehen könnte, ohne dass alles den Bach runterginge. Seine Waisenhäuser würden geschlossen, da sie ausschließlich aus privaten Aufwendungen betrieben werden und alle seine Kinder und Jugendlichen säßen buchstäblich auf der Straße. Auch, dass es nicht gelungen ist, in den neun Jahren, die er hier nahezu täglich im Operationssaal verbracht hat, weitere Kinderchirurgen auszubilden, lastet sehr auf ihm. Unterstützung von hiesigen Gesundheitsministerium? Pustekuchen! Die beschäftigen sich stattdessen damit, Propaganda mit einer vermeintlichen „Krankenversicherung für jeden“ zu machen. Der Haken ist bloß, dass aus diesen Mitteln die Krankenhauskosten nicht mal ansatzweise beglichen werden können und sich die meisten Patienten deshalb so früh wie möglich ohne zu bezahlen aus dem Staub machen. Man kann schon sagen: Dr. Jahn (74) ist verzweifelt. Als wäre seine Zustandsbeschreibung nicht schon düster genug, gebe ich mir danach auch noch – weil Eva und Robin es noch nicht gesehen haben – zum dritten Mal das Genozid-Memorial. Natürlich erfahre ich nichts neues, lediglich ein Satz bleibt diesmal außer der Reihe hängen. Wie es heißt, spielt er sowohl in der jüdischen Religion wie auch im Koran eine Rolle: „Wer auch nur einen einzigen Menschen das Leben rettet, der rettet die ganze Menschheit.“. Werde ich mir merken, vielleicht nützt er ja was, wenn ich demnächst wieder gezwungen bin, mich mit Zynikern über den Begriff „Gutmensch“ zu unterhalten.

19:55 Uhr Abflug von Kigali, Zwischenstopp in Nairobi, morgens kurz nach 07:00 Uhr Landung in Brüssel, Umsteigen nach Frankfurt und von dort per ICE nach Köln. 12:05 Uhr sammelt Tina Robin und mich am Hbf. ein. Zur Belohnung putzt der FC die Pillendreher auswärts (!) 1:4. Na also, geht doch.