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Donnerstag, 23.Mai 2013 - Köln / Massimo

Schräg gegenüber von der Alteburgerstraße 40, wo meine Mutter im Hinterhaus aufgewachsen ist, befindet sich mein Lieblingsitaliener. Ein ziemlich skurriles Lokal, dermaßen "Old School", dass man es gar nicht fassen kann. Hier findet heute die Gold-Verleihung für unser allererstes Album statt. Lange hatten wir uns bemüht, hinter die Verkaufszahlen zu kommen, aber da diese LP von insgesamt drei Plattenfirmen (und demnächst von der vierten!) vertrieben wurde, haben wir vor ein paar Jahren resigniert. Durch eine simple Bemerkung, die in einem Telefonat zwischen unserer Mitarbeiterin Vera und unserem damaligen Bassisten, dem Gröön, fiel, kam dann doch nochmal Bewegung in diese Angelegenheit. "Wieso?", meinte der Gröön, "ich hab doch sämtliche Zahlen!". Eigentlich logisch, schließlich arbeitet der Mann, seitdem ich ihn kenne, beim Finanzamt. Dann ging alles ganz flott: Erik von der EMI hat addiert und nach ein, zwei Ehrenrunden kam dann dabei raus, dass wir unser Debüt-Album in Deutschland (Ausland zählt extra) über 260.000 mal verkauft haben. Das bedeutet nach den alten Kriterien: "Gold". Mittlerweile kriegt man übrigens schon für 100.000 Gold, woran man äußerst anschaulich sehen kann, in welchem Ausmaß der Tonträger-Markt eingebrochen ist. Als nächstes ging dann die Terminkoordination los, was für unsere Vera einen ziemlichen Ätzjob bedeutete, denn es stellte sich nach den ersten Versuchen als unmöglich heraus, dass die Termine sämtlicher Beteiligten miteinander vereinbar wären. Schließlich haben wir dann die Priorität darauf gelegt, dass möglichst alle Bandmitglieder erscheinen sollten, was uns dann bis auf Wolli bei allen anderen gelungen ist. Schmals Bruder, unser damaliger Schlagzeuger, hat mit dem Kapitel anscheinend endgültig abgeschlossen und das muss man dann wohl leider akzeptieren. Ansonsten hatte man den Eindruck einer Zeitreise, denn unsere komplette damalige Clique hat sich nach über dreißig Jahren noch einmal zusammengefunden - einige mit ihren Kindern und auch welche, die damals Kinder waren - wie Andreas Böll, der den Messdiener auf "Et neueste Testament" gesprochen hatte. Sein Vater Clemens hat seine Krebsoperation letzte Woche erfolgreich überstanden, liegt aber noch im Krankenhaus, und somit hielt Mustafa die Fahne des Chlodwigecks alleine hoch, denn Karl-Heinz, der dritte dieses Triumvirats, war Ende Februar dem Krebs erlegen. Anne und Klaus Zimmer waren da, Schmals damalige Ehefrau Regina und seine darauf folgende Freundin Christina Debüser. Und ihr kleiner Bruder Peter, unser Ex-Roadie, der seit Jahrzehnten mit Angelito zusammen das Luxor betreibt. Letzterer musste übrigens leider absagen, weil er nach einer Knieoperation im Krankenhaus liegt. Der Feusers Hein, mein Uralt-Freund, der in der Euskirchener Gegend schon Gigs für uns klargemacht hatte, bevor es die erste Platte gab und außerdem einer der ersten Menschen gewesen ist, die Schmal und mir Bilder abgekauft hatten, was für unser Überleben nicht ganz unwichtig war. Agnette war natürlich da, und ebenfalls unser alter Weggefährte Christian Maiwurm, der uns zu unserem allerersten Gig überredet hatte. Schade, dass Bärbel Maiwurm ausgerechnet in diesen Tagen verreist ist, denn ihr verdanken wir ja den Plattenvertrag mit Eigelstein-Records.

Auch schade, dass aus den verschiedensten Gründen keiner von der damaligen Plattenfirma aufgetaucht ist, denen wird der Erik dann das Edelmetall per Post zukommen lassen. Der einzige Nicht-Chlodwigeckl'er, der gekommen ist, ist Martin Hömberg, der das Album in seinem "Studio am Dom" innerhalb von sechs Tagen aufgenommen und abgemischt hat. Er schlägt heute noch die Hände über unsere damalige Unprofessionalität über'm Kopf zusammen. Ihn habe ich fast 34 Jahre nicht mehr gesehen und insofern auch nicht auf Anhieb erkannt. Aber das Großartigste war natürlich, die alten Mit-Musikanten noch einmal zu treffen, von denen ich auch einige seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Fast ohne Aufwärmphase gingen dann auch schon wieder die alten Frotzeleien los: "...Spatzjen, Müsjen, Fuzz, etc.". Es gab viel zu erzählen: Trauriges, Lustiges oder auch einfach nur den Stand der Dinge. Eine wunderschöne Goldverleihung, ohne jeglichen Bohei, ohne Wichtigtuer, ohne Medien, einfach nur ein Rudel Menschen, die in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts versucht haben, ihren Weg zu finden.

Und man kann es kaum glauben: Das war die letzte Goldverleihung der EMI überhaupt. Schön, dass sie noch zustande gekommen ist. Vielen Dank an die, die sich dafür in die Kurve gelegt haben und ein Glas auf die, die schon wissen wie es im Jenseits aussieht. Brigitta Pütz zum Beispiel, Bernds damalige Freundin, der der Gröön seinen Spitznamen verdankt und die unter anderem die Texte für unser erstes Booklet getippt hat.