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Donnerstag, 19.Juli 2012 – Kassel / dOCUMENTA

Gestern noch bis 14.00 Uhr mit meinen Damen durch Schwabing gestreunt und dann mit Didi nach Kassel. Martina Klug vom „3sat MuseumsCheck“ hatte angefragt, ob ich mich wohl für einen Drehtag nach Kassel begeben würde. Aber gerne doch, auch wenn ich weiß, dass ein Tag nicht ausreichen wird, um mir wirklich ein Urteil über diese alle fünf Jahre stattfindende Weltkunstbestandsaufnahme zu erlauben. Heute um 11.00 Uhr treffen wir uns auf dem Kulturbahnhof, um dort auch direkt mit den Dreharbeiten zu beginnen. Bin angenehm überrascht von dem, was ich hier zu sehen bekomme, vor allem von William Kentridges „The Refusal Of Time“, einer beeindruckenden Multimedia-Installation, während mir die überdimensionale Schrottlandschaft von Lara Favaretto reichlich überholt vorkommt. An so was hat man sich seit Beuys, Vostell oder gar H.A. Schult nun wirklich satt gesehen. Provozieren kann so was definitiv nicht mehr. Dafür aber umso heftiger das, was Rabih Mroué zur Diskussion stellt: Eine Installation, die mit Handy-Filmen arbeitet, die von Todeskandidaten kurz vor ihrer tatsächlichen Erschießung aufgenommen wurden. Natürlich ist es schwierig, sowas in eine Kunstsprache zu übersetzen, aber den Versuch direkt als voyeuristisch abzutun, halte ich für übertrieben. Nachmittags wechseln wir in die dOCUMENTA-Halle, wo mich vor allem das Projekt des chinesischen Künstlers Yan Lei überzeugt: 360 scheinbar lediglich intuitiv aus dem Internet heruntergeladene und danach auf Leinwand reproduzierte Bilder werden nach und nach wieder von einer Kasseler Autolackiererei mit knalligen Autolacken übersprüht. Bis die dOCUMENTA abends um 20,.00 Uhr schließt haben wir nach Drehschluss um 17.00 Uhr noch Zeit, uns die eine oder andere Arbeit in der Aue anzusehen und uns auf einen Schnelldurchgang durchs Fridericianum aufzumachen. Hier vor allem das Projekt von Kader Attia, einem algerisch-französischen Künstler, „The Repair from Occident to Extra-Eccidental Cultures“, in dem es um kulturelle Rückaneignung geht. Schwieriges Thema, aber großartig umgesetzt. Überhaupt muss ich zugeben, dass mir die Unterrepräsentation von Malerei gar nicht mal so unangenehm aufgefallen ist wie angenommen, dafür sind viele der Exponate dann doch zu zwingend. Bin sehr gespannt auf das, was Martina Klug für ihre Sendung am 19.August vom heutigen Tag verwerten kann. Ich persönlich bin jedenfalls sehr froh, wenigstens die Möglichkeit einer Stippvisite gehabt zu haben; vielleicht schaffe ich es ja, zwischendurch doch noch mal mit Tina oder den Söhnen herzufahren. Die einzige, die alles gesehen hat, ist unsere Isis, die war auf Klassenfahrt hier und konnte mich für heute mit wertvollen Informationen briefen.