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Dienstag, 23. April 2013 - Goch/Viller Mühle, Sacklager

Im vergangenen Monat habe ich hauptsächlich von Zuhause ausgearbeitet. Einzige Unterbrechung war das Procol Harum-Konzert in Wuppertal am 6.April, auf das ich mich schon ein halbes Jahr lang gefreut hatte. Wie nicht anders zu erwarten, spielt außer dem Sänger und Keyboarder Gary Brooker keiner mehr aus der Urbesetzung der 60er Jahre. Zwischenzeitlich hatte sich die Band sogar mal für ein paar Jahre aufgelöst. In Wuppertal hatte man sich mit dem Sinfonie-Orchester Wuppertal und der Kantorei Barmen Gemarke zusammengetan, um dem Anspruch „Rock meets Classic“ gerecht werden zu können, was größtenteils auch gelang. Gary Brooker selbst hat mir an diesem Abend so manche Ganzkörper-Gänsehaut besorgt, lediglich der Rest von Procol Harum agierte wenig charismatisch. Als der Gitarrist auch noch mit Finger Tapping zu verblüffen versuchte, hat er sich bei mir leider in die Spinal Tap-Schublade verabschiedet: „Solos are my trademark“. Dennoch ein unvergesslicher Abend – vor allem, wenn ich bedenke, dass ich die Band seit 1970 nicht mehr erlebt hatte.

Heute geht’s an den Niederrhein nach Goch, wo sich im Vorort Hommersum die Viller Mühle befindet. Hier betreibt ein Überzeugungstäter namens Heinz eine Location der ganz besonderen Art. Auf sämtlichen Etagen dieser ehemaligen Industriemühle hat er Trödel und Antiquitäten, vor allem aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, gehortet. Er selbst war jahrelang mit einem von einem Traktor gezogenen Bauwagen als Puppenspieler unterwegs. Hauptsächlich finden im „alten Sacklager“ Kleinkunst-Veranstaltungen statt, die mitunter sogar vom WDR mitgefilmt werden. Habe leider nicht genug Zeit mir alles genau anzusehen, aber Heinz gewährt mir eine kleine Palastführung, wohl auch um mich davon zu überzeugen, dass wir hier irgendwann mal im Hof bei einem kleinen Open Air mit der Band hinkommen sollten. Stelle ich mir natürlich großartig vor, an einem lauschigen Sommerabend hier mit BAP zu performen. Für mich ist das heute die erste Lesung seit Hachenburg vor fast fünf Monaten, insofern bin ich auch ein wenig nervöser als sonst, aber alles läuft perfekt. Heinz schenkt mir zur Halbzeit sogar die BRAVO vom 13. September 1965, auf der Mick Jagger leider nicht mit seiner epochalen „Hose mit den großen Karos“ zu sehen ist (Kunststück, denn es handelt sich um ein Brustbild!), aber immerhin exakt ein Foto aus der allabendlich von mir beschriebenen ersten Deutschland-Tour der Rolling Stones. Werde ich mir zuhause einrahmen!