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Dienstag, 17.Juli 2012 – München / Tollwood

Oliver, der die vergangenen drei Stationen mitgereist ist, verlässt uns am Montag nach dem Frühstück wieder. Die Arbeiten am zweiten Teil der Autobiografie kommen gut voran. In München angekommen checken wir nur kurz im Hotel ein, und dann geht’s auch schon direkt weiter zum Bayerischen Rundfunk, wo ich in der „Abendshow“ zwei Song spiele („Moment“ und „Babylon“) und natürlich interviewt werde. Nicht ganz einfach die Situation, anstatt vor einem real existierenden Publikum zu spielen jetzt plötzlich mit vier Kameras vorlieb zu nehmen zu müssen, von denen keinerlei Reaktion zu erwarten ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass in einer der Kameras der Teleprompter-Text des betreffenden Liedes zu langsam oder zu schnell abläuft. Wenn ich da reinschaue bin ich verloren, denn man kann einfach nicht gleichzeitig etwas lesen und etwas anderes singen. Irgendwie schaffe ich es aber dennoch, mich dadurch zu schummeln und Tina meint, man hätte nichts bemerkt. Sie und unsere Töchter besuchen nämlich seit Samstag meine Schwiegermutter in Deggendorf, und die „Abendschau“ wird natürlich gesehen, wenn ich da drin bin. Abends noch kurz in der Stadt eine Badehose erworben, weil ich es geschafft habe, meine alte in Bonn im Hotel zu vergessen, und danach noch auf eine Stippvisiste zum Festivalgelände, wo Tim Bendzko spielt. Mir persönlich ein wenig zuviel Kindergeburtstag, da unterscheidet sich Clueso dann doch ausgesprochen wohltuend. Wirkt alles ein wenig zu kalkuliert, zu viel Dienstleistung, zu wenig Kunst.
Heute Mittag reisen dann meine Damen an, und wir streunen gemeinsam ein wenig übers Festivalgelände. Soundcheck und nochmal mit unserem „Arsch huh 2012-Albumsong“ befasst, der definitiv optimal passen wird. Gestern in den Spätnachrichten kam die traurige Nachricht, dass Jon Lord, der legendäre Keyboarder von Deep Purple, im Alter von 71 Jahren seinem Krebsleiden erlegen ist. Mario Argandona, unser Percussionist auf der „Amerika“-Tour, hatte in den darauffolgenden Jahren mit ihm zusammengearbeitet und über diese Konstellation habe ich Jon Lord kennengelernt. Ein überaus netter Gentleman, der seiner Rolle als Hammond-Rabauke längst entkommen war. „Stemmp schon, die Ennschlääsch kumme nöher.“ Wir widmen ihm heute abend „Diego Paz“. Nach einhelliger Meinung der Band haben wir soeben das beste BAP-Konzert aller Zeiten in München gespielt.